Hoheb Fluktuation in Washington nach Wahlen
Neue und alte Namen im US-Kabinett - egal wer gewinnt

Das neue US-Kabinett wird nach Einschätzung amerikanischer Experten eine Mischung aus neuen und bekannten Namen sein, egal ob George W. Bush oder John Kerry die Präsidentschaftswahl gewinnt.

HB WASHINGTON/BERLIN. Zu den Kandidaten werden der frühere und der jetzige Botschafter in Deutschland, Richard Holbrooke (für Kerry) und Dan Coats (für Bush) gezählt.

In den USA ist die Fluktuation nach Wahlen traditionell größer als in anderen Hauptstädten, da die Durchlässigkeit zwischen Politik, Wirtschaft und Universität viel größer ist als etwa in Deutschland. Daher wird in Washington seit Wochen über Personalveränderungen spekuliert, darunter in der Außenpolitik, dem Pentagon und der Wirtschafts- und Handelspolitik.

AUSSENPOLITIK: In Kreisen der regierenden Republikaner wird erwartet, dass Außenminister Colin Powell nach einem Wahlsieg Bushs mindestens noch einige Monate im Amt bleiben und erst zu einem Zeitpunkt abtreten würde, wenn es nicht mehr als Folge der umstrittenen Irakpolitik wirkt. "Er wird wahrscheinlich gehen", sagte ein Republikaner aus dem Umfeld des Weißen Hauses. "Ich glaube nicht, dass er am 3. November zurücktritt, aber im Frühjahr (wird er) weg sein." Als Nachfolger unter Bush wird der Ex-Senator John Danforth gehandelt, der die USA zur Zeit bei den Vereinten Nationen (Uno) vertritt.

Unter einem Präsidenten Kerry gilt laut Kreisen der Demokraten der Ex-Diplomat Richard Holbrooke als Anwärter auf das Außenministerium, der der wichtigste außenpolitische Berater des Kandidaten ist. Zu seinen vielfältigen Erfahrungen gehört auch ein Jahr als US-Botschafter in Deutschland 1993. Die Bundesregierung pflegt den Kontakt zu Holbrooke; Bundeskanzler Gerhard Schröder und Außenminister Joschka Fischer trafen sich in diesem Jahr mit ihm. Als weitere Kandidaten werden der Ex- Senator John Mitchell und Senator Joseph Biden genannt.

NATIONALE SICHERHEIT UND VERTEIDIGUNG: Die Nationale Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice könnte den Informationen zufolge in ihrem eng bei Bush angesiedelten Amt bleiben, Verteidigungsministerin werden oder sich nach vier Jahren aus der nationalen Politik zurückziehen. Sie soll eine Rückkehr nach Kalifornien erwägen, wo sie an der Stanford Universität lehrte.

Über Verteidigungsminister Donald Rumsfeld heißt es bei Republikanern und im Pentagon, er werde nach einem Wahlsieg Bushs voraussichtlich noch ein bis zwei Jahre im Amt bleiben, um die Umstrukturierung des US-Militärs fortzusetzen. Neben Rice wurde auch Botschafter Coats als möglicher Nachfolger genannt, der für das Ministeramt schon früher im Gespräch war. Rumsfeld ist wegen der auf Planungsmängel zurückgeführten gewaltsamen Konflikte im Nachkriegs-Irak und wegen der Foltervorwürfe in US-Gefängnissen im Irak und auf Kuba umstritten.

Die Demokraten versuchen offenbar, zwei republikanische Kritiker von Bushs Irak-Politik, John McCain und Chuck Hagel, für das Amt zu gewinnen, wenn es unter Kerry neu zu vergeben wäre. McCain, einst Anwärter auf die Präsidentschaftskandidatur seiner Partei, versucht aber, den Vorschlag herunterzuspielen.

FINANZPOLITIK, WIRTSCHAFT UND HANDEL: Dem gegenwärtigen Finanzminister John Snow würde Bush nach einem Wahlsieg einen gesichtswahrenden Rückzug erlauben, heißt es in den Kreisen. Snow hatte Bush in Verlegenheit gebracht, als er vom "Mythos" sprach, dass im potenziell wahlentscheidenden US-Bundesstaat Ohio Arbeitsplätze verloren gegangen seien, was für die Wähler dort eines der wichtigsten Themen ist. Als Nachfolger werden Bushs Stabschef Andrew Card und der derzeitige Handelsbeauftragte der US-Regierung, Robert Zoellick gehandelt.

Kerry-Berater Roger Altman, der aus dem Finanzteam von Bushs Vorgänger Bill Clinton stammt, wird nach Informationen aus Kerrys Umfeld erster Anwärter für das Ministerium, wenn der Demokrat die Wahl gewinnt. Wenn die Spitze der US-Notenbank (Federal Reserve) nach dem für Januar 2006 erwarteten Rückzug des bisherigen Chefs Alan Greenspan frei wird, sehen die Demokraten Clintons Finanzminister Robert Rubin als Nachfolger.

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