Hoher Konsolidierungsbedarf - Fusionen kein Allheilmittel: Börsenflaute quält Vermögensverwalter

Hoher Konsolidierungsbedarf - Fusionen kein Allheilmittel
Börsenflaute quält Vermögensverwalter

Schwere Zeiten für die Geldmanager reicher Kunden. Die verwalteten Vermögen sind mit dem Kursverfall an den Börsen stark geschrumpft und werfen immer weniger ab. Der Druck wächst, sich zu größeren Gesellschaften zusammenzuschließen. Die Kunden ziehen dabei aber nicht immer mit.

FRANKFURT/M. Die seit über drei Jahren anhaltende Börsenflaute hat bei den unabhängigen Vermögensverwaltern tiefe Spuren hinterlassen. Vor allem kleineren Anbietern geht langsam die Luft aus, da die verwalteten Volumina stark geschrumpft sind und die Kunden sich mit neuen Aufträgen zurückhalten. Das schmälert die Provisionserträge, Haupteinnahmequelle der Vermögensverwalter.

"Der Konsolidierungsdruck ist groß", weiß Markus Ross, von der Ceros Vermögensverwaltung. "Auf der Kostenseite ist kaum noch etwas zu machen, deswegen geht es nur über Wachstum. Man muss eine kritische Größenordnung erreichen." Und die liegt bei einem verwalteten Vermögen von mindestens 200 Mill. Euro, sind sich Experten einig. Das schränkt der Präsident des Verbandes unabhängiger Vermögensverwalter (VuV), Lutz Gebser, ein: "Auch mit 50 Mill. Euro kann man hinkommen." Gegenwärtig gibt es laut Gebser noch 180 echte unabhängige Vermögensverwalter. Dass es noch zu keiner nenneswerten Reduzierung gekommen ist, liegt vor allem an zahlreichen Neugründungen von ehemaligen Bankangestellten, die den Weg in die Selbstständigkeit suchen.

Neben der Börsenbaisse lasten aber auch die administrativen Anforderungen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) auf der Branche. "Vielfach wird über das Ziel hinausgeschossen, und man wird den Eindruck nicht los, dass die Banken, die in den beratenden Ausschüssen sitzen, sich so der kleineren Wettbewerber entledigen wollen", kritisiert Ross.

Bei den Kunden der Vermögensverwalter liegen derweil die Nerven blank, vor allem dann, wenn ihre Depots stark auf Aktien aufgebaut waren. Laut WSH Deutsche Vermögenstreuhand mussten die Kunden der Vermögensverwalter alleine im vergangenen Jahr rund 22 % ihrer Portfolios abschreiben. Viele Asset-Manager hätten sich nämlich 2002 wie das "Kaninchen vor der Schlange" verhalten und "in Erstarrung vor der Baisse" ihre Aktienquote zu zögerlich reduziert, hat die WSH analysiert. Das Unternehmen vergleicht die Leistung und die Kosten der Anbieter und erstellt daraus auch Ranglisten. Branchenbeobachter gehen davon aus, dass die schlechtesten Anlagemanager in den vergangenen zwei Jahren rund 50 bis 60 % der anvertrauten Mittel verbrannt haben.

Weil die verwalteten Volumina geschrumpft sind, nimmt die Versuchung zu, über stärkeres Umschichten im Portfolio einen Ausgleich zu schaffen. Aber gut informierte Kunden lassen sich das nicht gefallen und setzen in den Verhandlungen immer häufiger Pauschalgebühren durch. Da die Zahl der Vermögensverwalter nahezu unverändert geblieben ist, die Volumina sich aber nahezu halbiert haben, resultiert hieraus ein harter Konditionenwettbewerb. Aber die Kunden achten auch verstärkt auf Qualität: "Die vermögenden Privatkunden wollen angesichts der schlechten Performance bessere Konditionen, außerdem gewinnen Kontrollberichte über die Leistungen an Bedeutung", sagt Marc Overwien, Leiter Vermögenscontrolling bei der WSH.

Dabei ist die Branche durchaus selbstkritisch: Die Private Banker und Kundenbetreuer finden, dass ihre Angebote verbesserungswürdig sind. Gefragt sei vor allem Kompetenz im Steuerbereich, und auf der Produktseite fehlten optimierte Immobilien- und Beteiligungsprodukte (Private Equity), hat Peter Hannemann, Geschäftsführender Gesellschafter der Stephan Unternehmens- und Personalberatung, für eine Studie ermittelt. Höhere Marktanteile sagt er Vermögensverwaltern wie beispielsweise Feri, Flossbach & von Storch oder Gebser & Partner voraus, weil das Argument der Unabhängigkeit an Bedeutung gewinne. Insgesamt bleibe das Private Banking für Kunden mit liquiden Mitteln ab 500 000 Euro auf Wachstum ausgerichtet. Durch die Baisse an den Börsen sei zwar viel "Volumen" vernichtet worden. Durch vermehrte Erbschaften erwarte man aber höhere Kundenzahlen und Zuwächse von 10 bis 15 % pro Jahr. "Bei einer Erbschaft werden nämlich aus einem Kunden drei", so Hannemann.

Fusionen unter den Vermögensverwaltern werden nach Expertenmeinung zwar zunehmen, sie sind aber kein Allheilmittel. "Eine Übernahme ist wie eine neue Mandatsvergabe. Das persönliche Verhältnis zum Verwalter kann dadurch gestört werden", so Overwien.

Gefragt seien derzeit vor allem Geldmanager, die ein rigides Risikomanagement beherrschen, sagt Peter Wassermann, Vorstand beim Hamburger Vermögensverwalter Commtrust. Der Ex-Banker ist seit längerem nur noch mit gut 20 % in Aktien investiert, was sich als Vorteil erwiesen hat. So habe man die Kunden bei der Stange halten können, denn das Neugeschäft sei insgesamt schwierig geworden.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%