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Hoher Ölpreis bedroht zunehmend deutsche Konjunktur

Der hohe Ölpreis bedroht zunehmend die deutsche Konjunkturerholung. Die Deutsche Bundesbank sieht die wirtschaftliche Erholung ernsthaft gefährdet. Unternehmen und Verbraucher müssen sich nach Einschätzung von Hwwa-Präsident Thomas Straubhaar bis Jahresende auf hohe Ölpreise einstellen. Für leichte Entspannung an den Ölmärkten sorgte unterdessen der Sieg von Venezuelas Staatspräsident Hugo Chavez in der Abstimmung über seine Amtsenthebung.

dpa-afx FRANKFURT. Der hohe Ölpreis bedroht zunehmend die deutsche Konjunkturerholung. Die Deutsche Bundesbank sieht die wirtschaftliche Erholung ernsthaft gefährdet. Unternehmen und Verbraucher müssen sich nach Einschätzung von Hwwa-Präsident Thomas Straubhaar bis Jahresende auf hohe Ölpreise einstellen. Für leichte Entspannung an den Ölmärkten sorgte unterdessen der Sieg von Venezuelas Staatspräsident Hugo Chavez in der Abstimmung über seine Amtsenthebung.

Eine Fortsetzung des Ölpreisanstiegs wäre ein ernsthaftes Risiko für den derzeitigen Konjunkturausblick, heißt es in dem am Montag in Frankfurt veröffentlichten Monatsbericht der Bundesbank. Dies könne die Belebung der Inlandsnachfrage erschweren. "Beim bisher erreichten Ölpreisniveau ist die generelle Erholungstendenz aber nicht in Frage zu stellen", so die Bundesbank. Die meisten Prognosen würden bereits von einem relativ hohen Ölpreis in diesem und dem nächsten Jahr ausgehen.

Hohe Preise BIS Jahresende

Nach Einschätzung des Hwwa-Präsidenten Straubhaar bedrohen die zuletzt gesehenen Rekordniveaus den Aufschwung in Deutschland. "Bewegt sich der Ölpreis bis Ende 2005 um 45 $, werden wir nur noch ein Wirtschaftswachstum von 0,6 % sehen", sagte der Chef des Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archivs (Hwwa) der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Bislang geht das Hwwa von einem Wachstum von 1,4 % im kommenden Jahr aus.

Straubhaar rechnet bis Jahresende mit hohen Ölpreisen. "Ich erwarte bis weit in die zweite Jahreshälfte ein Niveau von mehr als 40 $ je Barrel." Erst 2005 werde der Preis wieder Richtung 35 $ fallen.

Chavez-Sieg

Unterdessen reagierten die internationalen Ölmärkte am Montag mit leichter Entspannung auf den Sieg von Venezuelas Staatspräsident Hugo Chavez in der Abstimmung über seine Amtsenthebung. An der Londoner Ölbörse International Petroleum Exchange (IPE) fiel der Preis bis auf 43,35 $ je Barrel (159 Liter), nach einem Spitzenwert von 43,92 $ am Freitag. Am New Yorker Warenterminmarkt Nymex sank der Preis im elektronischen Handel bis auf 46,20, nachdem er zuvor zeitweise bis auf dem Rekordstand von 46,91 $ geklettert war.

"Der Ausgang des Referendums ist kurzfristig gut für den Ölmarkt", sagte Ölexperte Oliver Franz von der ING-BHF-Bank. Beobachter hatten bei einer möglichen Amtsenthebung von Chavez Versorgungsstörungen befürchtet. Schließlich habe der Präsident wichtige Führungspositionen der staatlichen Ölgesellschaft mit Gefolgsleuten besetzt, sagte Franz.

Auf lange Sicht gilt der Verbleib von Chavez an der Spitze des fünftgrößten Erölexportlandes der Welt aber als negativ für den Ölmarkt. "Wegen der unsicheren Lage wird kein Ausländer in die Ölindustrie Venezuelas investieren", sagte Fondsmanager Pierre Martin von der DWS. Eine deutliche Ausweitung der Förderkapazitäten sei deshalb nicht zu erwarten.

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