Hoher Preis für Lizenzen verhindert Entwicklung
Vivendi fordert von Frankreich Verzicht auf UMTS-Versteigerung

Reuters PARIS, 21. MAI. Der französische Mischkonzern Vivendi hat Frankreich aufgefordert, UMTS-Mobilfunklizenzen nicht im Versteigerungsverfahren abzugeben. Andernfalls sei die Regierung verantwortlich für "kurzfristige Spekulationen", sagte Vivendi-Chef Jean Marie Messier dem französischen "Journal du Dimanche". Durch das Versteigerungsverfahrens könne es dazu kommen, dass Unternehmen für die UMTS-Lizenz mehr bieten würden als sie jemals damit verdienen könnten. Vivendi, zu deren Besitz auch die Mobilfunkgesellschaft SFR gehört, hatte sich vor wenigen Tagen aus der anstehenden Versteigerungen von UMTS-Lizenzen in Deutschland zurück gezogen. Experten gehen davon aus, dass die Bundesregierung aus dem Verkauf der Lizenzen rund 100 Mrd. DM erlösen kann.

Vor wenigen Wochen hatte die Versteigerung von UMTS-Lizenzen in Großbritannien dem Staat Einnahmen von umgerechnet rund 75 Mrd. beschert. Dies war deutlich mehr, als Experten erwartet hatten. Der neue Standard UMTS soll in Zukunft den europäischen GSM-Standard ablösen und das Mobiltelefon und das Internet zusammen bringen. Viele Analysten gehen davon aus, dass Telefongesellschaften UMTS-Lizenzen besitzen müssen, um auch künftig wettbewerbsfähig sein zu können.

"Du kannst nicht jemanden die Lizenz zusagen, nur weil er einen Batzen Geld auf den Tisch legt, ohne die Qualität der Leistungen zu prüfen, die den Verbrauchern versprochen werden", sagte Vivendi-Chef Messier. "Wenn Frankreich für die Lizenzen Preise erzielen will wie Großbritannien, wird das UMTS-System niemals angenommen werden." Der Vivendi-Chef wies darauf hin, dass etwa Japan, Spanien oder einige skandinavische Länder UMTS-Lizenzen zu günstigeren Preisen und abhängig von den inhaltlichen Vorhaben der Interessenten vergeben hätten. Dieses Vorgehen erlaube den Unternehmen, nach dem Erwerb der Lizenz auch noch Geld in die Entwicklung des Systems zu investieren. "Der Preis für die Lizenz ist kein produktives Investment. Es ist einfach nur eine Steuer. Sie kommt obendrauf auf die Kosten für den Aufbau", sagte Messier. Der Vivendi-Chef wies darauf hin, dass sein Unternehmen in den Aufbau des derzeitigen GSM-Standards 30 Mrd. Franc (neun Mrd. DM) investiert und dabei 9000 Arbeitsplätze geschaffen habe. Vivendi sei bereit, eine solche Summe auch für den Aufbau einer Infrastruktur für den UMTS-Standard aufzubringen.

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