Hoher Preis ist immer noch eine Hürde für die Verbraucher
Biofleisch-Markt profitiert von der BSE-Krise

Die Nachfrage nach Produkten aus artgerechter Tierhaltung ist seit der ersten BSE-Krise im Jahr 1984 stetig gestiegen. Den neuesten Schub erlebte der Markt innerhalb der letzten zwei Wochen.

kag DÜSSELDORF. Seit dem ersten BSE-Fall in Deutschland steigt der Umsatz von Fleisch aus biologisch-dynamischer Produktion. In den letzten beiden Wochen hat der Biofleisch-Verzehr überproportional zugenommen, wie eine Handelsblatt-Umfrage belegt. Sowohl die Erzeugerverbände des ökologischen Landbaus als auch die großen konventionellen Einzelhandelsketten bestätigen einen kräftigen Zuwachs ihres Biofleisch-Umsatzes.

Seit 1995 hat der Anteil von Biofleisch am Gesamtumsatz der Erzeuger bio-dynamischer Produkte stetig zugenommen. Die Häufung von BSE-Fällen in Grossbritannien und Frankreich sowie die ersten Erkrankungen von Menschen an einer Variante des Creutzfeldt-Jakob-Syndroms haben "konventionelle" Verbraucher verstärkt von artgerechter Tierhaltung überzeugt. So ging in Deutschland der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch für Rindfleischprodukte aus herkömmlicher Haltung von rund 14 Kilogramm im Jahr 1995 auf etwa 11 Kilogramm im Vorjahr zurück.

Dagegen steigt der Marktanteil an Öko-Fleisch deutlich.. Der Biofleisch-Großhändler Weiling meldete im Dezember in Nordrhein-Westfalen eine Umsatzsteigerung von 400 % im Vergleich zum Vorjahr; in Berlin sprachen Einzelhändler, die Produkte aus biologisch-dynamischer Wirtschaftsweise anbieten, von einer Verdoppelung des Umsatzes seit dem ersten bekannt gewordenen BSE-Fall in Deutschland.

In den vergangenen drei Jahren hatten die Vertreter des konventionellen Einzelhandels wie Karstadt, Metro, Rewe oder Spar den Geist der Zeit erkannt und Biofleisch in ihr Sortiment aufgenommen. In den vergangenen Wochen sind die Kühltheken verstärkt auf Bioware umgestellt worden - oder gar komplett, wie zum Beispiel bei der Handelskette Teegut. Sollte sich diese Umstellung auf Dauer bestätigen, "könnten wir bald vor einem Engpass stehen", sagt Thomas Sonntag, Ressortleiter für tierische Produkte beim Ökoverband Naturland.

Die Marke "Naturland" verzeichne eine "enorme" Steigerung des Umsatzes mit Biofleisch über einen längeren Zeitraum. "Biofleisch war lange das Stiefkind der Ökovermarktung. 1995 lag der Anteil von Biofleisch am Naturland-Gesamtumsatz von 10 Mill. DM bei 10 %. Inzwischen liegt er bei rund einem Drittel des Gesamtumsatzes von 35 Mill. DM", berichtet Sonntag.

Seit dem letzten Wochenende sei insbesondere der Verkauf von Geflügel und Schweinefleisch gestiegen, erklärt Christian Becker von der Abteilung Öko-Landbau bei der Zentralen Markt- und Preisberichtstelle (ZMP). Die Umsatzsteigerung betrage bei weiterhin stabilen Preisen durchschnittlich 25 %.

Konventionell Einzelhandelskonzerne, die etwa 20 % des Markts für Bioprodukte vertreten, äußern sich zurückhaltender als die Bioverbände. Die Nachfrage nach Biofleisch sei in letzter Zeit "spürbar gestiegen", heißt es bei Spar und Rewe; man prüfe eine Aufstockung des Angebots. Die Kaufhof AG steigerte den Umsatz mit Biofleisch in den letzten zwei Wochen um etwa 20 %.

Allerdings seien Versorgungsengpässe zunächst nicht zu befürchten, sagte Thomas Cierpka von der Internationalen Vereinigung Biologischer Landbaubewegungen. Eine Hürde für die Erweiterung des Bio-Markts stelle weiterhin der höhere Preis für Bio-Produkte im Vergleich zu Fleisch aus Massentierhaltungen dar, sagt Wolfram Schmuck, Sprecher der Rewe-Gruppe. Da diese Waren bis zu 30 % teurer seien, verhindere dies eine langfristigen Umsatzsteigerung, erklärt Wolfram Schmuck. Es werde zunächst nicht damit gerechnet, dass sich das Interesse der Kunden auf diesem hohen Niveau halte.

Der Biomarkt bleibt im Vergleich zum konventionellen Lebensmittelmarkt in Deutschland unterentwickelt: Schätzungen des Bundeslandwirtschaftsministeriums zufolge werden nur 2 % des Rindfleisches, 0,2 % des Schweinefleisches und 0,3 % des Geflügels ökologisch produziert. Diese Anteile sind auch im europäischen Vergleich niedrig. Etwa 2,6 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche werden in Deutschland bio-dynamisch bebaut, im Vergleich zu 6 % in Dänemark, 8,4 % in Österreich und 17 % in Liechtenstein.

Probleme bei der Vermarktung - insbesondere das Fehlen eines einheitlichen Gütesiegels - sowie wenig entwickelte Absatzkanäle sind neben den hohen Preisen weitere Schwierigkeiten, mit denen die Naturkostbranche zu kämpfen hat.

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