Hoher Preis schockiert die Anleger
Telekom steigt mit Voice-Stream in US-Markt ein

Die Deutsche Telekom übernimmt für 50,7 Mrd. Dollar (rund 106 Mrd. DM) das amerikanische Mobilfunkunternehmen Voice-Stream. Die Transaktion soll im wesentlichen über einen Aktientausch erfolgen. Die Voice-Stream-Aktionäre sollen 3,2 Telekom-Aktien plus 30 $ pro Voice-Stream-Aktie bekommen.

dri/stw/dih BERLIN/HANNOVER. Der Kurs der T-Aktie ist am Montag nach Bekanntgabe des Übernahmeangebots für das US Voicestream Wireless Corp. -Mobilfunkunternehmen um fast zwölf Prozent auf 48,79 Euro gesunken. Telekom-Chef Ron Sommer hatte am Nachmittag in Hannover zwar den Kaufpreis von 50,7 Mrd. $ (106 Mrd. DM) plus Schuldenübernahme verteidigt, damit aber die Anleger offenbar nicht überzeugt.

Voicestream könne "zwar nicht gerade als besonders preiswert" bezeichnet werden, sagte Sommer. Auf dem US-Telekommarkt sei jedoch kein Unternehmen "zu einem Schnäppchenpreis" zu bekommen. Er begründete den Preis vor allem mit strategischen Aussichten. Voicestream werde die Kundenzahl von jetzt 2,3 Millionen bis Ende des Jahres auf vier Millionen erhöhen. Den Umsatz sieht Telekom-Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick von 476 Mill. $ bei fast ebenso hohem Verlust 1999 auf 4 Mrd. Euro 2001 steigen. Erst dann werde das Unternehmen konsolidiert.

Ein großes Plus der Neuerwerbung ist es laut Sommer, dass sie als einziges Unternehmen in den USA in 23 der 25 wichtigsten Gebiete ein fast flächendeckendes Netz nach dem europäischen Mobilfunkstandard GSM betreibt. Für die zwei fehlenden Gebiete soll Voicestream im Herbst Lizenzen ersteigern. Dafür wird die Telekom weitere fünf Mrd. $ bereitstellen.

Schon nach ersten Berichten über den Kaufpreis war die T-Aktie in der vergangenen Woche um neun Prozent in die Knie gegangen. Gestern fiel sie dann auf ein neues Jahrestief unterhalb von 50 Euro und hat damit seit März etwa die Hälfte an Wert verloren. Analysten kritisierten vor allem, dass der Preis je Voicestream- Kunde mit mehr als 20 000 $ etwa drei Mal so hoch sei wie bei jüngsten Mobilfunk-Fusionen in Europa. Kurzfristig werde die Aktie dadurch belastet, doch langfristig habe die Telekom sich damit eine große strategische Chance eröffnet. Nötig seien nun aber weitere Übernahmen zur Abrundung des Portefeuilles.

Die Aufsichtsräte von Telekom und Voicestream hatten der Übernahme, die bis Mitte 2001 vollzogen werden soll, am Sonntag gegen 21 Uhr zugestimmt. Danach zahlt die Telekom 3,2 T-Aktien plus 30 $ für eine Voicestream-Aktie. Für Akquisitionen hatte sich die Telekom bereits auf der Hauptversammlung Ende Mai eine Kapitalerhöhung von 1,5 Mrd. Aktien genehmigen lassen. Davon setzt sie jetzt 828,8 Mill. ein.

Durch dieses Verfahren sinkt der Staatsanteil an der Telekom von 58 % auf unter 50 % Die Voicestream-Großaktionäre Hutchison Whampoa Ltd., Hongkong, und Sonera, Helsinki, werden Telekom-Aktionäre: Hutchison wird 4,6 % und Sonera 1,7 % an der Telekom halten. Während Sonera ankündigte, sich bald von den T-Aktien zu trennen, sagte Hutchison-Manager Canning Fok: "Wir werden glückliche Telekom-Aktionäre sein."

Sommer betonte, das GSM-Netz von Voicestream verschaffe der Telekom vor allem bei neuen mobilen Datendiensten einen technischen Vorsprung. Die Lizenzen für den Mobilfunk der dritten Generation, die in Europa derzeit unter dem Kürzel UMTS versteigert werden, würden in den USA erst ab 2002 vergeben. Die Telekom investiere also in den Erwerb der globalen Marktführerschaft im GSM-Mobilfunk.

Beim Kaufpreis müsse nicht die Kundenzahl, sondern der Zugang zu 220 Millionen potenziellen Kunden in den USA berücksichtigt werden, fügte er hinzu. In den USA hat erst jeder Dritte ein Handy. Dieser Anteil werde in den kommenden Jahren auf 90 % steigen. Wie aus Unternehmenskreisen zu hören ist, strebt die Telekom in den USA einen Mobilfunk-Marktanteil von mindestens 10 % an.

Zu möglichen Auswirkungen der Milliarden-Übernahme auf den im Herbst bevorstehenden Börsengang der Mobilfunktochter T-Mobil wollte sich Sommer nicht äußern.

Der Übernahme müssen noch die Kartellbehörden zustimmen. Doch in den USA steht auch die Telekom - Aufsicht FCC unter Druck. Mehrere US-Senatoren haben Gesetzesinitiativen eingebracht, um die Telekom mit ihrem Hauptaktionär Bund zu stoppen. Darüber wiederum hat sich die EU-Kommission gestern besorgt geäußert.

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