Hoher Schuldenberg drückt – Einbruch auf dem italienischen Automarkt
Fiat denkt an den Verkauf der Luftfahrt-Sparte

Der Fiat-Konzern kommt nicht aus der Krise. Das schlechte April-Ergebnis auf dem italienischen Automarkt verschärft erneut die Liquiditätsprobleme des Unternehmens. Erstmals wird in der Turiner Konzernzentrale über den Verkauf der Luftfahrtsparte Fiat Avio nachgedacht.

MAILAND. Katastrophale April-Verkaufszahlen in Italien nähren von Neuem die Befürchtung, die Krise bei Fiat werde länger als erwartet dauern. Die drei Konzernmarken Fiat, Alfa Romeo und Lancia mussten auf dem italienischen Heimatmarkt einen Absatzeinbruch von 21,7 % hinnehmen. Die Fiat-Verkaufszahlen sind viel stärker geschrumpft als bei ausländischen Herstellern. Sie verzeichneten im Schnitt ein Minus von 13,3 %.

Die Fiat-Führung arbeitet eine Woche vor der Hauptversammlung fieberhaft an Maßnahmen, um das operative Geschäft zu stärken und den Schuldenstand von 6 Mrd. Euro zu verringern. Außer einer Verschärfung des Sparkurses erwägt Fiat nach Informationen aus unternehmensnahen Kreisen nun auch, die Flugzeugtochter Fiat Avio zu verkaufen. Zwar wolle Fiat-Präsident Paolo Fresco mit allen Mitteln an der profitablen Luftfahrt-Sparte festhalten. Vorstandschef Paolo Cantarella soll aber darauf drängen, weitere Konzernteile zu veräußern, um verstärkt in die Kerngeschäftsfelder Fahrzeugbau und Dienstleistungen zu investieren. "Cantarella ist klar ein Automann", so ein Insider.

Im Dezember hatte Fiat ein weit reichendes Verkaufsprogramm bekannt gegeben, durch das bis zum Endes des Jahres 2 Mrd. Euro in die leeren Kassen gespült werden sollen. Außer dem Zulieferer Magneti Marelli stehen auch die Metallurgie-Tochter Teksid und Comau, ein Anlagenbauer, auf der Verkaufsliste. Anfang nächsten Jahres könnten zudem 30 % des Sportwagenherstellers Ferrari an die Börse gebracht werden. Wegen der schwachen Konjunktur ist der Verkauf der Konzerntöchter jedoch äußerst schwierig. "Fiat muss aufpassen, keine Discountpreise zu bekommen", sagte Gian Marco Migliavacca vom Wertpapierhandelshaus Banca Akros in Mailand.

Für Fiat-Präsident Fresco wie für Vorstandschef Cantarella drängt die Zeit. In Finanz- und Börsenkreisen wachsen die Zweifel, dass dem Fiat-Topmanagement tatsächlich der angekündigte Schuldenabbau gelingt. "Wenn Fresco von einer Beschleunigung der Unternehmensverkäufe spricht, dann sage ich ihm: Fang endlich damit an", forderte Antonio Tognoli von ING Barings in Mailand. Zudem läuft das operative Geschäft wesentlich schlechter als vorgesehen. Analysten erwarten einen Quartalsverlust allein bei Fiat Auto von 250 Mill. Euro (West LB) bis 350 Mill. Euro (ING Barings). Ohne zusätzliche Einschnitte wird es schwierig, den im Vorjahr aufgelaufenen Verlust der Autoaktivitäten von 549 Mill. Euro zu verringern.

Quelle: Handelsblatt

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