Hoher Staatsanteil belastet Aktie
Post-Aktionäre sorgen sich um Kurs

Auf der ersten Hauptversammlung der Deutschen Post als börsennotiertes Unternehmen dürfte wohl der anhaltend schwache Aktienkurs des Bonner Konzerns im Vordergrund stehen. Seit nunmehr über drei Monaten notiert die "Aktie Gelb" unterhalb ihres Ausgabepreises von 21 Euro, zuletzt dümpelte das Papier zwischen 18 und 18,50 Euro. Vor allem die konjunkturellen Unsicherheiten belasten nach Einschätzung von Analysten den Kurs der Post-Aktie.

Reuters BONN. Ein Konzern-Sprecher verwies auf das schwache Marktumfeld und bekräftigte frühere Aussagen, wonach die "Aktie Gelb" eine langfristige Anlage mit Aufwärtspotenzial sei. Aktionärsschützer kündigten kritische Fragen zu verschiedenen Konzernbereichen und vor allem zu den Zukunftsperspektiven des Konzerns an.

Zum Stückpreis von 21 Euro war die Aktie der Post im vergangenen November an die Börse gebracht worden. Frühzeichner hatte einen Preisnachlass von 50 Cents sowie eine Gratisaktie je 15 bestellte Papiere erhalten. Nach dem Börsendebut kletterten die Titel zeitweise auf mehr als 24 Euro, bröckelte dann jedoch deutlich ab. Anfang Mai markierte das Papier mit 17,50 Euro seinen vorläufigen Tiefpunkt, von dem es sich bisher nicht wesentlich nach oben entfernen konnte. Die Post mit zahlreichen Kleinaktionären und einem sehr großen Aktienanteil in den Händen von Mitarbeitern kann mit vielen Besuchern auf ihrer Hauptversammlung am Mittwoch in der "Köln Arena" rechnen.

Hier der 3-Monatsverlauf der Post AG

Vor allem die weltweite Konjunkturabkühlung dürfte nach Ansicht von Branchenkennern für die mäßige Entwicklung der Post-Aktie verantwortlich sein. "Die konjunkturelle Schwäche ist ein grundsätzliches Problem für die Aktienmärkte", sagte Post-Analystin Krista Kepler von Merck Finck. Zudem sei die Post nach wie vor sehr vom Briefgeschäft abhängig. "Die Wende zum Logistik-Anbieter ist noch nicht abgeschlossen." Rainer Münch von der DG Bank verwies auf die Unsicherheiten beim Briefporto. Es müsse zunächst abgewartet werden, ob es hier eine Senkung geben könnte, sagte der Analyst. Insgesamt herrsche am Markt eine "gewisse Zurückhaltung gegenüber der Post-Aktie". Möglicherweise rücke sie stärker ins Anlegerinteresse, wenn die Talfahrt bei den Technologie- und Wachstumswerten anhalte und wieder weniger risikoreiche Titel gefragt seien.

"Im letzten Jahr war der Kurs soweit in Ordnung, jetzt ist er abgeschmiert", kommentierte Ulrich Hocker, Chef der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapaierbesitz (DSW), den Kursverlauf der "Aktie Gelb". Seiner Ansicht nach belastet auch der nach wie vor hohe Staatsanteil von mehr als zwei Dritteln den Kurs. "Der Markt hat Angst vor der zweiten Tranche", sagte Hocker mit Blick auf die Ankündigung des Bundes, 2001 weitere Post-Anteile verkaufen zu wollen. Dies belaste den Post-Kurs solange, bis Einzelheiten über Umfang und Preis des zum Verkauf ausstehenden Aktienpakets bekannt seien, fügte Hocker hinzu. Obgleich sich der DSW-Chef mit der Arbeit des Post-Vorstandes insgesamt zufrieden zeigte, kündigte er für die Hauptversammlung einige kritische Fragen zu Themen wie Porto, Dividenden-Politik oder Gewinnmargen bei der Logistik an.

Auch Rudolf Heinz von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) verwies auf "Ängste" am Markt vor der Zweitplatzierung von Post-Aktien aus dem Staatsbesitz. Der Verkauf großer Aktienpakete setzt den Kurs des Papiers in der Regel unter Druck. Zum aktuellen Post-Kurs sagte Heinz: "Der Markt ist in einer schlechten Verfassung, dem kann sich auch die Post nicht entziehen". Kritisch bei der Post sei die starke Konzentration auf den Briefbereich. Die Post verdient mehr als 80 Prozent ihres Gewinns mit Briefen. Der Nicht-Briefbereich werfe noch keine befriedigenden Renditen ab, sagte Heinz.

Die Geschäftszahlen der Post sowohl für das Gesamtjahr 2000 als auch für die ersten drei Monate dieses Jahres waren insgesamt positiv ausgefallen. Vorjahresumsatz und-überschuss von 32,7 Milliarden Euro und 1,53 Milliarden Euro sollen in diesem Jahr übertroffen werden. Im ersten Quartal hatte die Post bereits den Umsatz um mehr als zehn Prozent und das Betriebsergebnis um gut vier Prozent gesteigert. Post-Chef Klaus Zumwinkel hat sich vor dem Hintergrund dieser Entwicklung schon mehrfach unzufrieden über den Aktienkurs seiner Firma gezeigt und dabei stets betont, dass der Konzern und seine Aktie nach wie vor Wachstumsperspektiven hätten.

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