Hoher Weltmarktanteil bei Telefonen: Nokia übertrifft Erwartungen und enttäuscht doch

Hoher Weltmarktanteil bei Telefonen
Nokia übertrifft Erwartungen und enttäuscht doch

Der Weltmarktführer bei Handys, Nokia aus Finnland, liefert weiterhin beeindruckende Zahlen in seiner Mobiltelefonsparte, leidet aber wie die Konkurrenten unter dem Mobilfunknetz-Bereich.

STOCKHOLM. Nokia hat im ersten Quartal des Jahres einen Gewinnrückgang verbuchen müssen. Gleichzeitig übertraf der finnische Telekommunikationskonzern aber die Erwartungen der Analysten. Der Vorsteuergewinn fiel gegenüber dem Vorjahresquartal um 4 % auf 1,26 Mrd. Euro. Auch der Umsatz gab um 3 % auf 6,8 Mrd. Euro nach. Damit zerschlugen sich die Hoffnungen, dass Nokia trotz der allgemein düsteren Stimmung in der Telekom-Industrie eine Trendwende einleiten könnte.

Der Gewinn je Aktie betrug im ersten Quartal 0,18 Euro gegenüber 0,19 Euro vor einem Jahr. Experten hatten mit nur etwa 0,16 Euro je Aktie gerechnet. Für das zweite Quartal erwartet Nokia einen Gewinn je Aktie von 0,13 bis 0,16 Euro. "Berücksichtigt man die einmaligen Kosten für den Personalabbau, der mit 0,05 bis 0,06 Euro je Aktie zu Buche schlägt, wäre das ein richtig gutes Ergebnis", erklärte Jussi Hyoti von Fim Securities in Helsinki.

Belastet wird das Nokia-Ergebnis in erster Linie durch die weiter anhaltende Nachfrageflaute bei Mobilfunknetzen. Diese Sparte, die für etwa 20 % des Konzern-Umsatzes steht, leidet seit mehreren Quartalen unter der stark gebremsten Investitionsbereitschaft der großen Telekom-Konzerne. Erst Anfang des Monats hatte Nokia die Streichung von 1800 Stellen in der Netz-Sparte angekündigt. Für diese Maßnahme will der Konzern 350 bis 400 Mill. Euro reservieren, die das zweite Quartal belasten werden.

Nokia-Chef Jorma Ollila sieht für die Mobilfunknetze im laufenden Jahr noch keine Erholung. Er rechnet mit einem Nachfragerückgang auf dem Gesamtmarkt von 15 % oder mehr. Damit revidierte er auch die bisherige Prognose, die von einem Rückgang von rund 10 % ausging, nach unten. Mit Spannung wird deshalb Ende kommender Woche das Quartalsergebnis von Nokia-Konkurrent Ericsson erwartet. Der schwedische Konzern macht mittlerweile etwa 80 % seines Umsatzes mit Mobilfunknetzen.

Auch die Aussichten für den hochprofitablen Handy-Bereich korrigierte Nokia-Chef Ollila leicht nach unten. Bisher hatte er von einem Wachstum des Gesamtmarktes von 10 Prozent oder mehr gesprochen. Jetzt erklärte er, dass der Handy-Markt um rund 10 % in diesem Jahr wachsen werde. Im vergangenen Jahr waren weltweit 405 Mill. Handys verkauft worden.

Die Mobiltelefonsparte der Finnen schreibt trotz der leichten Prognosenkorrektur weiterhin beeindruckende Zahlen. Während viele Konkurrenten gerade bei den Telefonen mit Retabilitätsproblemen kämpfen, kommt Nokia auf eine Gewinnmarge von 23,9 % und setzt damit erneut einen Maßstab. "Die Telefon-Sparte ist einfach phantastisch", erklärte ein Analyst in Stockholm. Er zeigte sich auch über die Prognose zum Umsatzwachstum in der Handy-Sparte beeindruckt. Nokia rechnet für das zweite Quartal mit einem Plus von 4 bis 12 %. Ein anderer Analyst wertete dagegen die große Spanne als Unsicherheitsmoment.

Mehr als jedes dritte weltweit verkaufte Handy stammt derzeit von Nokia. Der Weltmarktanteil liegt nach Aussagen von Ollila bei 38 %, ein leichter Rückgang gegenüber dem vergangenen Quartal von einem Prozentpunkt. Das Ziel, einen Weltmarktanteil von 40 % zu erreichen, besteht aber weiter. Nokias Finanzchef Oli-Pekka Kallasvuo wollte nicht einmal ausschließen, dass der Weltmarktanteil auf Sicht dieses Ziel sogar übertreffen könnte. Die Nokia-Aktie zog nach Vorlage der Quartalszahlen um rund 4 % an.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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