Hoher Wertberichtigungsbedarf wegen Insolvenzwelle
Kölner Bank gerät in Schieflage

Eine der größten Genossenschaftsbanken, die Kölner Bank, steckt in der Krise. Der Grund sind hohe Wertberichtigungen auf Firmenkredite. Wegen seines hohen Geschäftsanteils mit mittelständischen Kunden leidet das Institut besonders unter der Insolvenzwelle. Die Probleme der Kölner sind ein weiteres Indiz für die schwierige Lage der Banken.

KÖLN. Die Kölner Bank, zweitgrößte Genossenschaftsbank Nordrhein-Westfalens, trifft die Konjunkturflaute mit ihrer Insolvenzwelle voll. Höchstwahrscheinlich muss das Institut die Sicherungseinrichtung des Bundesverbandes der deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) anzapfen. Zwar liege die endgültige Höhe der Risikovorsorge wegen der laufenden Prüfung noch nicht vor. Doch sollte sie wie im Vorjahr 25 Mill. Euro übersteigen, werde dies durch den genossenschaftlichen Verbund abgedeckt, sagte Vorstandssprecher Peter Müllejans dem Handelsblatt. Nach Informationen dieser Zeitung ist die Sicherungseinrichtung längst in die Vorgänge informiert und hält sich bereit.

Die Krise bei den Kölnern ist ein weiteres Indiz für die überaus schwierige Lage bei den deutschen Banken. Dabei lenkt der Blick auf die Großbanken Deutsche Bank, Commerzbank und Hypo-Vereinsbank oft von den gravierenden Problemen kleinerer Institute ab. In diesem Jahr erwarten Experten einen deutlichen Anstieg der Zahl von Schieflagen sowohl bei den genossenschaftlichen Banken, als auch bei den Sparkassen.

Bereits im vergangenen Jahr rettete die Privatbank Delbrück nur der Einstieg eines Investors vor der Pleite. Die stark am Neuen Markt engagierte Gontard & Metallbank schloss im Frühsommer 2002 die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin). Bei der Schmidt-Bank musste ein Bankenkonsortium einspringen.

Anders als bei den Franken ist die Lage bei den Kölnern allerdings nicht existenzgefährend. "Ich mache mir keine großen Sorgen um die Bank, da wir mit einem Betriebsergebnis von 0,7 Prozent der Durchschnittsbilanzsumme vor Risiko in 2002 eine stabile Basis haben", sagt Müllejans. Trotz der angespannten Situation ist er zuversichtlich. "Die Monate Dezember und Januar waren gute Monate", die Risiken seien identifiziert.

Die Bank trifft ihr hohes Engagement bei mittelständischen Firmenkunden, mit denen sie 70 Prozent ihrer Erträge erzielt. Doch seit zwei Jahren verhageln die Firmenkunden der Genossenschaftsbank die Bilanz. Grund sind hohe Wertberichtigungen für Kredite vor allem wegen Ausfälle im Bauträgergeschäft. Der Anteil der Baubranche ist traditionell überproportional hoch, sagt Müllejans. Der Vorstandssprecher macht auch Standortprobleme verantwortlich: Laut einer Untersuchung des statistischen Landesamtes Nordrhein-Westfalen stieg die Zahl der Insolvenzen in Köln alleine von Januar bis Oktober 2002 um 65 % auf 451 Insolvenzen mit einem Volumen von 1,8 Mrd. Euro.

Trotzdem zieht sich die Kölner Bank nun auf das Stadtgebiet zurück. "Wir konzentrieren uns mit 29 Standorten auf die Stadt Köln. Drei Niederlassungen in Bergisch-Gladbach, Dormagen und Frechen werden Ende März 2003 geschlossen", so Müllejans. Bereits 2001 litt die Kölner Bank unter hohen Wertberichtigungen. Damals konnten die Belastungen noch aus eigener Kraft gestemmt werden. Es wurden Gewinnrücklagen in größerem Umfang aufgelöst. 2002 wurden bereits Reserven aus einer Beteiligung an der Düsseldorfer Börse für rund 500 000 Euro gehoben.

Nach den vorläufigen Zahlen für 2002 sank die Bilanzssumme um 17,8 % auf 2,2 Mrd. Euro. Ein Grund ist der Forderungsabbau. Sowohl die Forderungen an andere Kreditinstitute als auch die an Kunden wurden mit knapp 40 % beziehungsweise 7 % kräftig heruntergeschraubt. Zum zweiten trug die Dekonsolidierung der Luxemburger Tochter mit 277 Mill. Euro zum Rückgang der Bilanzsumme bei. Die betrieblichen Erträge verharrten mit 70,8 Mill. Euro auf Vorjahresniveau. Die Kosten sanken unter anderem durch den Abbau von 120 Stellen um 2 Mill. Euro auf 53,6 Mill. Euro. Dadurch stieg das Betriebsergebnis vor Risikovorsorge um über 10 % auf 17,1 Mill. Euro. Nach Abzug der Risikovorsorge droht ein Verlust von bis zu acht Mill. Euro.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%