Hohes Risiko
Penny-Stocks - Internetwerte am Neuen Markt sind zu Spekulationsobjekten geworden

Sie kosten weniger als eine Kinokarte oder ein Eisbecher. Mit ihnen können Anleger innerhalb eines Tages viel gewinnen und auch wieder verlieren. Penny-Stocks sind daher in erster Linie Aktien für Spekulanten. Bitter ist es allerdings für private Investoren, die zu ehemaligen Höchstkursen eingestiegen sind.

DÜSSELDORF. Als die Infomatec AG am vergangenen Donnerstag bekannt gab, dass ihr Verbleib am Neuen Markt gesichert ist, stieg die Aktie um 1,87 ". Absolut gesehen nicht viel, doch bei einem Eröffnungspreis von 3,45 " bedeutete dies einen Kursgewinn von 55 %. "Mit kleinen Steigerungen lassen sich hier horrende Gewinne erzielen", sagt Jürgen Kurz, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). "Das ist ein Bereich, der für spekulative Anleger sehr interessant ist."

Gleichzeitig warnt er: "Einsteigen sollte nur, wer wirklich weiß, was er tut. Die Schwankungsbreiten sind sehr hoch." Die Rede ist von Penny-Stocks, das sind Aktien, die für Pfennigbeträge zu haben sind. Sie reagieren meist heftig auf Unternehmensnachrichten. Kurzfristig orientierte Anleger müssen ständig am Ball bleiben, können schnell gewinnen und auch wieder verlieren.
Infomatec hat 87 Prozent verloren
Bitter ist es allerdings für die Investoren, die zu einstigen Höchstkursen eingestiegen sind und nach einer Talfahrt fast ihren ganzen Einsatz verloren haben. So notierte die Infomatec AG im Februar noch bei mehr als 50 ". Seit Jahresanfang hat die Aktie rund 87 % ihres Wertes verloren. Anlegern, die mit Spekulation überhaupt nichts am Hut haben, rät Kurz, die Situation mit folgenden Fragen zu überprüfen: Was steht hinter dem Kursverlust? Hat das Unternehmen noch Chancen auf Erholung? "Wenn nicht, müssen die Verluste realisiert werden." Am Neuen Markt gibt es zurzeit 22 Titel, deren Kurs unter 7 " liegt, davon gehören zwei zum Nemax-50-Index. Am niedrigsten notierte gestern die musicmusicmusic AG mit einem Kurs von 2,22 ". Dabei müssen diese Aktien nicht wirklich günstig sein, über die Bewertung entscheidet vielmehr das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV). "Der Kurs ist nur eine optische Größe", sagt Peter Barkow, Analyst bei HSBC Trinkaus & Burkhardt. Doch diese könne schnell zum "psychologischen Malus" werden.

"Unternehmen achten darauf, dass der Kurs nicht unter 10 " geht", sagt Kurz von der DSW. Auch Michael Seufert, Analyst bei der NordLB unterstreicht: "Die meisten Aktien liegen zwischen 20 und 150 ". Das ist ein Bereich den man als Vorstand gern sieht. Ist der Kurs zu niedrig, hat man ein Problem." Neben dem Ruf als spekulativer Wert wird es für Unternehmen schwierig, die nötige Marktkapitalisierung zu erreichen, um von Analysten und institutionellen Anlegern beachtet zu werden.

Besonders häufig finden sich Internetwerte unter den Penny-Stocks. So stammen fast Dreiviertel der insgesamt 22 unter 7 " notierten Unternehmen am Neuen Markt aus den Branchen Internet und Software. "Das ist kein Zufall", meint Kurz von der DSW. "Nach der Euphorie im Frühjahr sind viele Werte zusammengefallen." So "krebst" die Aktie des Internetbuchladens Buch.de seit Mai unter der 7 "-Marke, gestern notierte sie bei 3,40 ". Peter Barkow von HSBC Trinkaus & Burkhardt bewertet sie trotzdem mit "Halten". Das Unternehmen arbeitet seit kurzem mit der Universitätsbuchhandlung Phönix zusammen, außerdem sollen CDs und Spiele in die Angebotspalette aufgenommen werden. "Doch das muss sich auch in den Zahlen widerspiegeln", sagt Barkow.

Fantastic mit Weihnachtsbaum-Chart

NordLB-Analyst Seufert unterscheidet bei den Penny-Stocks zwischen zwei Strukturen: "Es gibt Werte, die in einer Euphorie zu hoch angesetzt wurden und anschließend wie in einer Surfwelle nach unten abgefallen sind." Andere seien zunächst niedrig gestartet, hätten sich dann mit guten Nachrichten nach oben entwickelt und nach Erreichen eines Höhepunktes wieder verloren. Seufert spricht wegen des dreieckigen Kursverlaufs vom "Weihnachtsbaum-Chart."

Ein Beispiel dafür ist die schweizer Fantastic Corp. Das Unternehmen, das eine Softwareplattform für Breitband-Datenübertragung entwickelt, startete im September 1999 zu einem Emissionspreis von 4,50 " am Neuen Markt. Die Aktie erreichte im Februar einen Höchstand von 55 ", inzwischen ist sie wieder bei 6,15 " angekommen. Die Umsatzprognose für das Gesamtjahr wurde Ende Juli von 50 Mill. auf 35 Mill. US-$ gesenkt. Trotzdem erreichte Fantastic im ersten Halbjahr vom bereits revidierten Umsatzziel nur 34 %. Der Verlust verdreifachte sich auf 28,1 Mill. $.

Seufert rät, bei Kursstärke zu verkaufen. "Das Breitbandgeschäft ist zwar ein potenziell riesiger Wachstumsmarkt, aber es ist fraglich, ob Fantastic seine Plattform als Standard etablieren kann." Seufert sieht das Unternehmen eher als Venture-Capital-Investment. "Zockerei bietet sich hier nicht an, man muss schon mittelfristig durchhalten." Gegenteil vom Aktiensplit ist unbekannt

Hat ein Unternehmen erstmal ein "Penny-Stock-Niveau" erreicht, ist es schwierig, dort wieder herauszukommen. Anders als bei hoch notierten Werten, die sich durch Aktiensplit optisch verbilligen können, ist eine Zusammenlegung von Aktien nach Angaben der Deutschen Börse in Deutschland nicht bekannt. "Außerdem wissen die Unternehmen, dass sich die Anleger durch so eine Aktion nicht blenden lassen", vermutet Kurz von der DSW. Der Kursgewinn muss schon aus eigener Kraft erfolgen.

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