Nach einer Millionen-Buße wegen Preisabsprachen in Deutschland droht dem Schweizer Zementkonzern Holcim
nun möglicherweise auch in Italien Ungemach. Die italienischen Wettbewerbsbehörden haben gegen zahlreiche Betonhersteller eine Untersuchung eingeleitet und dabei auch bei Holcim
Dokumente beschlagnahmt.
Reuters ZÜRICH. "Ich kann bestätigen, dass sich die italienischen Wettbewerbsbehörden mit der Betonindustrie im Großraum Mailand auseinandersetzen," sagte ein Holcim
-Sprecher am Montag zu Reuters. "Auch Gesellschaften von uns sind miteinbezogen," sagte er weiter. Holcim
wisse allerdings nicht, wie die Anschuldigungen lauteten.
Vergangene Woche hatte es in der italienischen Zeitung "Il Sole 24 Ore" geheißen, dass die italienischen Behörden gegen zehn Transportbetonhersteller, darunter Holcim
Calcestruzzi, sowie den Zementhersteller Holcim
Cementi eine Voruntersuchung wegen möglichen Wettbewerbsabsprachen eingeleitet habe. Das Verfahren solle bis 30. Juli 2004 abgeschlossen werden. Die italienischen Behörden bestätigten die Meldung, wollten sich aber nicht zu den einzelnen Phasen der Untersuchung äußern.
Am Montag verhängte das deutsche Bundeskartellamt gegen die deutsche Holcim
-Tochter Alsen eine Busse von 74 Mill. Euro. Insgesamt verhängte die Behörde wegen jahrzehntelanger Absprachen bei Preis, Lieferquoten und in weiteren Bereichen gegen sechs Unternehmen ein Rekordbussgeld von rund 660 Mill. Euro. Das vergleichsweise niedrige Bußgeld gegen Alsen erkläre sich durch die frühzeitige Kooperation von Holcim
in dem Kartellverfahren, sagte ein Sprecherin der Behörde. Holcim
habe kurz nach den ersten nicht angekündigten Durchsuchungen im Juli 2002 in 30 Unternehmen und Tochterunternehmen die Beteiligung an den Kartellabsprachen in vollem Umfang eingestanden und bei der Aufklärung kooperiert. Einige andere Unternehmen hätten dagegen nur Teilgeständnisse abgelegt.
Das Kartellamt hatte im Jahr 2000 eine Bonusregelung eingeführt. Danach können Bussgelder je nach Ausmass der Kooperation und der Verstrickung in Kartellabsprachen teilweise vollständig aufgehoben werden, falls sich ein Unternehmen als erstes zur Zusammenarbeit mit den Ermittlern bereit erklärt.
Neben Holcim
wurden auch Heidelberg Cement
, Dyckerhoff
, Schwenk Zement und der Weltmarktführer Lafarge
gebüßt. Gegen mehrere mittelständische Unternehmen werde weiter ermittelt. Von den Untersuchungen betroffen war neben Alsen auch Holcim
(Baden-Württemberg) in Weil am Rhein.
Mitte Februar hatte Holcim
für die erwartete Busse 120 Millionen sfr zurückgestellt. Europa-Chef Hansueli Hee hatte im März erklärt, Holcim
dürfte gegen das Bussgeldverfahren des deutschen Bundeskartellamts Rekurs einlegen. Holcim
wolle aber vorerst den schriftlichen Bussgeldbescheid und die entsprechende Begründung abwarten und dann definitiv entscheiden. Der Holcim
-Sprecher erklärte, dem Unternehmen liege noch kein Bussgeldbescheid vor.
