Holding vor der Pleite
Kirch vor dem endgültigen Zerfall

Die Kirch-Dachgesellschaft Taurus-Holding und die Tochter Kirch-Beteiligungen werden nach Angaben aus Branchenkreisen wahrscheinlich noch am Dienstag einen Antrag auf Insolvenz stellen. Damit wäre die Zerschlagung der Münchener Kirch-Gruppe des Firmengründers Leo Kirch endgültig besiegelt.

rtr MüNCHEN. "Taurus-Holding und Kirch-Beteiligungen werden wohl noch heute Insolvenz anmelden", erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Dienstagvormittag aus den Kreisen. Bis zum Mittag war beim Amtsgericht München allerdings noch kein Insolvenzantrag einer Kirch-Gesellschaft eingegangen. Mit dem Schritt verlöre der 75-jährige Kirch endgültig seinen Einfluss auf das ehemalige Medienimperium, das er in den letzten fünf Jahrzehnten aufgebaut hat. Als erste Kirch-Gesellschaft hatte die in der Filmproduktion und Rechtehandel tätige Kirch-Media am 8. April einen Insolvenzantrag gestellt. In Branchenkreisen wird die Eröffnung des Verfahrens für Ende dieser Woche erwartet.

Unklarheit über Konsequenzen für Springer-Paket

Die Taurus-Holding ist die Dachgesellschaft der drei Säulen der Kirch-Gruppe - der Rechtehandelsgesellschaft Kirch-Media, der Kirch-PayTV und der KirchBeteiligungen, in der zum Beispiel die Anteile Kirchs am Axel Springer Verlag und an der Formel 1 enthalten sind. Leo Kirch ist bei beiden Unternehmen noch Vorsitzender der Geschäftsführung. Die Verantwortung für die Geschäfte würde nach dem Gang zum Insolvenzgericht jedoch ein vorläufiger Insolvenzverwalter übernehmen.

Unklar bleibt damit, ob nun der vorläufige Insolvenzverwalter oder Kirch selbst weiter nach einem Käufer für die 40-prozentige Beteiligung am Springer Verlag sucht, die in einer weiteren Gesellschaft, Kirch-Print-Beteiligungen, gebündelt sind. Kirch hat eigentlich bis Ende August Zeit, das Paket zu verkaufen, um einen Kredit an die Deutsche Bank zurückzuzahlen, sonst fallen die Anteile an das Kreditinstitut, das das Paket noch in diesem Jahr an die Börse bringen will.

Eröffnung des Kirch-Media-Insolvenzverfahrens

Das Amtsgericht München wird das Insolvenzverfahren über die Kerngesellschaft KirchMedia nach Angaben aus Branchenkreisen vermutlich in dieser Woche eröffnen. Langsam kristallisierten sich die Investoren heraus, die ernsthaft eine Übernahme der kompletten KirchMedia oder von Teilen überlegten, hieß es. "Etwa 20 bis 25 sind ernsthaft interessiert", sagte ein mit den Verhandlungen Vertrauter. In dieser Woche wolle die Investmentbank UBS Warburg, die mit der Investorensuche beauftragt wurde, konkretere Angebote einsammeln. Nach Angaben aus Bankenkreisen haben sich bei einer ersten Sondierung insgesamt 82 Interessenten gemeldet. Als aussichtsreichster Bieter gilt derzeit ein Konsortium von Commerzbank, WAZ-Gruppe und dem US-Filmstudio Columbia TriStar.

Die endgültige Entscheidung über einen Investor für KirchMedia trifft aber die Gläubigerversammlung, die nach Angaben eines Kirch-Sprechers Ende Juli oder Anfang August einberufen werden soll.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%