Holland heiß auf Schweden
Heiliges Oranje

Nach Tagen der Selbstzerfleischung sind sich nun alle Holländer einig: Wir werden Europameister. Vor dem Spiel gegen Schweden, am Samstag, steht auch Traine Advocaat nicht mehr so sehr unter Beschuss.
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BRAGA. Am Ende der Vorrunde hat auch Sander Westerveld noch eine wichtige Rolle spielen können. Der dritte Torhüter der holländischen Fußball-Nationalmannschaft hatte sein Mobiltelefon mit auf die Ersatzbank genommen, und als das eigene Spiel gegen die Letten 3:0 gewonnen war, ließ sich der Torhüter aus der Heimat in Echtzeit über die Ereignisse in Lissabon unterrichten. 2:1 führten dort die Tschechen gegen Deutschland. "Du denkst, jetzt werden sie keine zwei Tore mehr schießen", sagte Ruud van Nistelrooy. "Aber man weiß doch nie." Vor allem bei den Deutschen nicht. Irgendwann nahm Westerveld das Telefon vom Ohr, hielt die Arme in die Höhe. Dann brach der Jubel los.

Dick Advocaat, der Trainer, war schon in der Kabine verschwunden, als 23 holländische Spieler und 20 000 holländische Fans im Stadion von Braga die Fortsetzung ihrer Europameisterschaft feierten. Advocaat sagte, er habe lieber mit seinem Betreuerstab zusammen sein wollen. Vermutlich aber konnte er sich einfach nicht vorstellen, so zu tun, als sei eine Woche lang nichts geschehen. "Die Normen und Werte sind vernichtet worden", sagte der Bondscoach über die Kritik der Medien. "Damit habe ich doch ein paar Probleme." Seit dem Spiel gegen Tschechien war Advocaat heftig angegriffen worden, weil er durch die Auswechslung von Arjen Robben angeblich die Niederlage verschuldet hatte. Als sein Name verlesen wurde, pfiffen die Fans. Als in der Pause sein Bild auf der Videowand erschien, pfiffen sie wieder.

"Das ist doch sehr weit gegangen", sagte Ruud van Nistelrooy, der die beiden ersten Tore für die Holländer erzielt hatte. "Das gönnt man niemandem. Und ihm ganz sicher nicht." Clarence Seedorf fand die Kritik an Advocaat "ein bisschen übertrieben und zu persönlich". In den vergangenen Tagen aber hatte der Mittelfeldspieler einen Umschwung in der öffentlichen Stimmung festgestellt, ausgelöst durch den spielerisch ansprechenden Auftritt gegen die Tschechen. "Mit dieser positiven Atmosphäre bei der Nationalmannschaft ist es viel einfacher, etwas zu erreichen", sagte Clarence Seedorf.

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