Hollywood-Aktivitäten stehen weiter auf der Kippe
Starker Verkehr auf Vivendis Reste-Rampe

Der Ausverkauf beim französischen Mischkonzern Vivendi Universal hat begonnen. Branchenexperten bezweifeln jedoch, dass Konzernchef Fourtou dadurch die Finanzkrise noch abwenden kann.

siri SAN FRANCISCO. Jean-René Fourtou, Konzernchef von Vivendi Universal S.A., betont es immer wieder: Die Hollywood-Aktivitäten des Mischkonzerns stehen nicht zum Verkauf. Doch je lauter die Beteuerungen aus der französischen Zentrale tönen, desto offener wird in den USA darüber spekuliert, wann der Unterhaltungsbereich mit den Universal Filmstudios, die Vivendi im Jahr 2000 zukaufte, wieder auf dem Verkaufstisch landet.

Die Beteuerungen Fourtous, so spekulieren Branchenkenner, sind eher ein taktischer Schachzug, um den möglichen Preis für die Unterhaltungssparte nicht auf Ausverkaufsniveau sinken zu lassen. Allerdings ist ein Verkauf der Unterhaltungssparte keine ausgemachte Sache. Schließlich generiert dieser Geschäftsbereich laut Analysteneinschätzung einen großen Teil des Cashflows für Vivendi.

US-Analysten glauben allerdings, dass das Film- und Musikgeschäft nicht zu den Kernkompetenzen der Vivendi-Geschäftsführung gehört. Wichtiger als die Frage, wie die Unterhaltungssparte noch in die Geschäftsaktivitäten von Vivendi passt, sind allerdings finanzielle Aspekte. Vivendis zahlreiche Verkaufswünsche, unter anderem des Verlages Houghton Mifflin, der 10 %-Beteiligung an Echo Star Communications und der Anteile am italienischen Fernsehsender Telepiu wird innerhalb der nächsten beiden Jahre nach Ansicht von Experten nicht die nötigen 9,8 Mrd. $ bringen, die Fourtou erzielen will, um eine Finanzkrise abzuwenden.

Schon hat der britische Mobilfunkanbieter Vodafone Plc von Vivendi 50 % der Anteile am Internet-Portal Vizzavi übernommen. Wie Vodafone in London mitteilte, zahlte die Firma 142,4 Mill. Euro für den Anteil und besitzt nun 100 % von Vizzavi.

Vivendi Universal teilte hingegen in Paris mit, unter anderem seien inzwischen die Magazine "L'Express" und "L'Expansion" sowie "L'Etudiant" und der Verlag Comareg an die Verlagsgruppe Socpresse, bei der die konservative Pariser Tageszeitung "Le Figaro" erscheint, verkauft worden. Die Kaufsumme liegt laut Vivendi bei insgesamt über 300 Mill. Euro.

"Doch Vivendi wird das Ziel nicht erreichen und letztlich zähneknirschend eine der Kernaktivitäten verkaufen müssen", sagt Michael Nathanson, Analyst beim Investmenthaus Sanford Bernstein. Als einer der wichtigsten Interessenten für die Unterhaltungssparte gilt US-Kabelkönig John Malone, der bereits 4 % des Vivendi-Kapitals besitzt. Zudem halten sich Gerüchte, dass auch die Filmstudios Dreamworks SKG Teile von Vivendi Universal übernehmen wollten. Diese Gerüchte wurden von Dreamworks allerdings zurückgewiesen.

Neben dem Verkauf scheint auch die Ausgliederung der Unterhaltungsaktivitäten, die dann an die Börse gebracht werden könnten, eine mögliche Zukunftsstrategie. Der Geschäftsbereich Vivendi Universal Entertainment (VUE) wurde im vergangenen Jahr geschaffen, um die Universal Studios Group, zu der die Filmstudios sowie eine Reihe die Universal Vergnügungsparks gehören, mit dem Kabelgeschäft zusammen zu führen, das Vivendi im vergangenen Jahr vom Medienmogul Barry Diller gekauft hatte. Es wird erwartet, dass Diller eine entscheidende Rolle spielen wird, sollte es zu einer Ausgliederung kommen.

Sollte VUE an die Börse gebracht werden, könnte Vivendi Hauptanteilseigner bleiben. Berichten der Los Angeles Times zufolge fahren die Universal Studios bereits jetzt einen strengen Sparkurs, der die Bilanzen so attraktiv wie möglich erscheinen lässt. Nach Aussagen von Filmproduzenten versucht Vivendi Universal Entertainment Chef Barry Diller, die Rechte für die internationale Vermarktung und den Vertrieb auf Video und DVD von Erfolg versprechenen Filmen an Partner zu verkaufen, um die eigenen Produktionskosten zu senken. Ein Universal-Sprecher wies die Vermutung, die Filmstudios wollten Kosten senken, zurück. Die gemeinsame Finanzierung von Filmprojekten durch mehrere Partner, die durch Vermarktungsrechte am Erfolg beteiligt werden, sei gängige Praxis.

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