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Hollywood, Arbeit und Kapital

Interessante Bücher, rezensiert von der Handelsblatt-Redaktion.

Neal Gabler: Ein eigenes Reich - Wie jüdische Emigranten Hollywood erfanden.Berlin Verlag, Berlin 2004, 671 Seiten, 24,90 Euro Jeder Kinogänger kennt die Hollywood-Studios von Warner Brothers, Metro-Goldwyn-Mayer oder Paramount. Was kaum einer weiß: Ihre Gründer waren mehrheitlich jüdische Emigranten aus Europa. Wie der Historiker Neal Gabler zeigt, landeten sie auf teils abenteuerliche Weise im Geschäft mit dem Kintopp. Weil der etablierte Kulturbetrieb zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Medium Film als billiges Vergnügen für die Massen abtat, herrschten hier keine sozialen Schranken. Auf der Leinwand konnten sie als Juden mit dazu beitragen, den amerikanischen Traum zu formen und fest in den Köpfen eines internationalen Publikums zu verankern. Neal Gablers Buch ist ein Lehrstück darüber, wie gut geschriebene Kulturgeschichte aussehen kann. Ralf Balke

Friedrich Schneider: Arbeit im Schatten - Wo Deutschlands Wirtschaft wirklich wächst. Gabler Verlag, Wiesbaden 2004, 133 Seiten, 29,90 Euro Wachstumsraten von anderthalb Prozent reißen die Regierungsbank fast zu Begeisterungsstürmen hin. Doch das magere Dümpeln der von offizieller Statistik beleuchteten Wirtschaft ist nichts gegen die Ökonomie im Schatten: Friedrich Schneider, Volkswirt an der Universität in Linz, taxiert den deutschen Schwarzmarkt aus Handwerksdiensten ohne Rechnung zusammen mit Korruption und Steuerhinterziehung auf 364 Milliarden Euro- im Jahr. Schneider liefert eine profunde Analyse der illegalen Beschäftigung in 110 OECD-Ländern, ihrer durchaus positiven Effekte auf das offizielle Wachstum bis hin zu Theorieansätzen, die erklären, warum Menschen sich aus der Statistik von Fiskus und Sozialversicherungen verabschieden. Sein Fazit: Höhere Strafen werden die Schattenwirtschaft nicht eindämmen. Nur niedrigere Abgaben helfen. David Selbach

Franz Groll: Wie das Kapital die Wirtschaft ruiniert.Riemann Verlag, München 2004, 315 Seiten, 19,00 Euro Franz Grolls Vita klingt außergewöhnlich: Ingenieur bei IBM, Entwicklungshelfer in Haiti, CDUGemeinderat, gleichzeitig Mitglied bei den Globalisierungsgegnern von Attac. Sein Buch "Wie das Kapital die Wirtschaft ruiniert" verspricht, den Neoliberalismus zu entlarven und die Welt vor einem "dunklen Zeitalter" zu bewahren. Halten kann Groll das Versprechen nicht. Zwar zählt er eine Reihe von Problemen treffend auf: demographischer Wandel, Armut in Entwicklungsländern, Massenarbeitslosigkeit. All das sind für ihn jedoch die Folgen entfesselter Marktkräfte. Seine Forderungen zielen deshalb auf mehr staatlichen Eingriff - etwa in Form einer Umsatzsteuer für Devisen. Was Groll übersieht: Er hat die Ursachen der Missstände nicht klar erkannt. Nicht zu viel Markt ist verantwortlich für die Probleme der Weltwirtschaft, sondern zu wenig. Christoph Hus

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