Hollywood erwartet volle Kassen
Harry Potter soll Titanic enttrohnen

Das Kino lebt: Walt Disneys "Monster, Inc." legte am Freitag einen fulminanten Start an den Kinokassen hin, in London feierten die Fans "Harry Potter". Im Dezember kommt der "Herr der Ringe". Zumindest die beiden letzteren Filme haben das Zeug, "Titanic" von Platz eins von der ewigen Bestenliste zu verdrängen.

HB DÜSSELDORF. Es war ein dringend benötigter Erfolg: Rund 63 Mill. $ dürfte der neue Weihnachtsfilm "Monster, Inc." der Walt Disney Co. an seinem ersten Wochenende in die Kassen der amerikanischen Kinos gespült haben. Alleine Freitag und Samstag waren es zusammen über 43 Mill. $, berichtet der Online-Branchendienst "The Numbers". Am Samstag erzielte der Animationsfilm aus den Pixar Studios von Apple-Gründer Steven Jobs sogar mit 26,3 Mill $ die dritthöchste Tageseinnahme, die je in den USA erzielt wurde. Ein hörbares Aufatmen in der gesamten Branche: Der befürchtete langfristige Einbruch bei den Besucherzahlen nach den Terroranschlägen vom 11. September scheint auszubleiben. Und Walt Disney kann angesichts schlecht laufender Themenparks und hoher Werbeausfälle bei seinen TV-Kanälen einen Kassenknüller jetzt erst recht dringend gebrauchen.

Und Hollywood hat genau das richtige Programm für ein Weihnachten in Krisenzeiten: Neben Monster, Inc., der spritzig-gefühlvollen Komödie um coole Kinder und schüchterne Monster, kommt am 16. November weltweit "Harry Potter und der Stein der Weisen" in die Kinos. Die Premierenfeier des opulenten Streifens in bester Hollywoodtradition um den britischen Zauberlehrling, der dem Guten zum Triumph über das Böse verhilft, geriet am Sonntag in London zum vollen Erfolg. Nach Medienberichten sollen alleine in Großbritannien schon eine halbe Million Kinokarten reserviert worden sein.

Der Zauber-Film aus den Warner Bros. Studios des Mediengiganten AOL Time Warner Inc. hat nach Meinung vieler Branchenkenner das Zeug, nicht nur Disneys Monster im Weihnachtsgeschäft auszustechen, sondern sogar den Superhit Titanic zu versenken: Das Tiefwasser-Epos führt noch immer unangefochten die ewige Bestenliste mit rund 600 Mill. $ an Ticketverkäufen (nur USA) an. Zumindest in der Länge (2 Std. und 30 Min.) kann Potter mithalten. Und auf der Ertragsseite können die Warner-Magier ihren Kollegen bei Paramount Studios sicher das Wasser reichen: Alleine ein Werbevertrag mit Coca Cola soll die gesamten Produktionskosten von gut 150 Mill. $ abgedeckt haben. Titanic hat über 200 Mill. $ gekostet und kann keinen solch umfassenden Deal aufweisen.

Am 19. Dezember wird dann das abschließende Highlight des Kinojahres erwartet, das den Siegeszug von Harry Potter noch aufhalten könnte: Der erste Teil von "Herr der Ringe" ("Die Gefährten") um die Fantasiewelt Mittelerde, die von Hobbits, Elfen und dem Zauberer Gandalf bewohnt wird (www.derherrderringe-film.de). Das Werk des Autors J.R.R. Tolkien hat, wie Harry Potter, Millionen von Fans. Die Triologie in Buchform soll seit 1954 über 100 Mill. mal verkauft worden sein, Harry-Potter-Bücher wurden in kürzester Zeit immerhin schon über fünf Millionen mal verkauft.

Harry und Gangalf haben eines gemeinsam: Sie ziehen gleichermaßen Kinder und Erwachsene in ihren Bann und haben treue Fans. Das ist wichtig, um im Wiederholungsgeschäft gut im Rennen zu bleiben. Titanic ist nicht zuletzt deshalb so erfolgreich geworden, weil die Fans sich den Film oft zwei- oder sogar dreimal angesehen haben.

Der neue Optimismus wird auch auf Deutschland Auswirkungen haben. Gerade konnte die Filmförderungsanstalt in Berlin (FFA) einen positiven Neun-Monats-Bericht abliefern. Die Besucherzahlen lagen 2001 mit 127,3 Mill. um 15 % über dem Vorjahreszeitraum. Kommt auch das Weihnachtsgeschäft richtig in Schwung, verspricht 2001 ein neues Rekordjahr zu werden.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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