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Hollywood-Studios leiden unter schwachem Fernsehmarkt

Während Hollywood 100. Geburtstag feiert, ziehen die und europäischen Sender die Kosten für Fernsehrechte nach unten

LOS ANGELES Keine leichte Zeit für Hollywood: Die großen amerikanischen Filmstudios von Disney über Warner bis hin zu Universal spüren die Schwäche des deutschen TV-Markts. "Den Sendern sitzt das Geld alles andere als locker", sagt Marcus Ammon, Chef des deutschen Spielfilmsenders MGM, Ableger des gleichnamigen Hollywood-Studios. Angesichts des anhaltend schwachen Fernsehwerbemarkts brechen auch die Preise auf den L.A. Screenings, der weltgrößten Filmmesse, ein: Für Serien und Filme zahlen die Sender offenbar bis zu einem Drittel weniger als noch vor drei Jahren auf dem Höhepunkt des Börsen- und Medienbooms. "Aus dem Nachfrage- ist längst ein Angebotsmarkt geworden", weiß auch RTL2-Fernsehmanager Torsten Prenter. "Die deutschen, aber auch die europäischen Sender werden die Kosten für Fernsehrechte weiter nach unten ziehen", ist sich Medienanalyst Florian Leinauer von der Frankfurter Helaba Trust sicher.

Nur Spitzenfilme scheinen vom Preisverfall nicht betroffen zu sein. "Das Mittelmaß wird günstiger, doch das Top-Produkt wird stets teuer sein", sagt Urs Rohner, Vorstandschef der Pro Sieben Sat 1 Media. Der TV-Konzern gibt nach eigenen Angaben pro Jahr rund 1,4 Mrd. Euro für das Programm seiner vier Kanäle Pro Sieben, Sat 1, Kabel 1 und N 24 aus. Doch nur ein Bruchteil landet noch in den Kassen der Hollywood-Studios - Tendenz fallend. Denn nicht nur wirtschaftliche Gründe sorgen für eine sinkende Nachfrage in Hollywood. Mittlerweile entwickeln deutsche Sender viele Formate erfolgreich selber. Und in den USA erfolgreiche Formate werden häufig für den deutschen Markt adaptiert, ohne dass das Original teuer eingekauft wird, berichtet ein deutscher Senderchef. "Es gibt heute weniger Programm aus den USA", bestätigt Rohner, dessen Sender Pro Sieben noch immer zu den Großabnehmern amerikanischer Produkte gehört.

Die Zeiten für Hollywood, das gerade seinen 100. Geburtstag feiert, sind alles andere als rosig. "Die Studios beobachten die Entwicklung mit Sorge", sagt MGM-Fernsehmanager Ammon. Schnelle Gegenstrategien haben sie allerdings nicht. Disney versucht jetzt, mit eigenen Sendern seine Produktion in den jeweiligen Ländermärkten abzusetzen. Erst in der vergangenen Woche unterzeichnete der Kölner Kindersender Super RTL, an dem Disney zur Hälfte beteiligt ist, einen mehrjährigen Vertrag über Programmlieferungen für die Hauptsendezeit.

Bisher belieferte der Gesellschafter RTL exklusiv die Primetime mit Archivmaterial. "Wir sind nicht nur ein Studio, sondern eben auch ein Fernsehunternehmen", sagte Disney-Fernsehchef David Hulbert vieldeutig bei der Vorstellung der Neuproduktionen in Hollywood.

Andere Studios wiederum fahren die Produktion von TV-Serien herunter. CBS ließ ohne Angaben von Gründen sogar seine Verkaufsvorführungen ausfallen. "Die Studios produzieren von Jahr zu Jahr weniger und leben immer mehr von ihrer Filmbibliothek", berichtet Wolfram Winter, Fernsehchef von Universal in Deutschland. Die Vermarktung alter Produktionen auf DVD und Video zählt schon jetzt zu den einträglichsten Geschäften der Medienkonzerne.

Die einwöchigen L.A. Screenings sind die wichtigste Exportmesse der amerikanischen TV-Industrie. Hier präsentieren die sechs großen Hollywood-Studios Disney, Paramount, Warner, Sony, 20th Century und Universal den Sender- und Programmchefs aus mehr als 40 Ländern die neuesten Produktionen. Der deutsche Fernsehmarkt ist für die Filmproduzenten der wichtigste Absatzmarkt in Europa. Dennoch hielten sich in diesem Jahr die Studios mit teuren Präsentationen auffallend zurück. Angesichts des Irak-Kriegs und vor dem Hintergrund der schwachen Konjunktur halten es die US-Filmunternehmen im Gegensatz zu früheren Jahren nicht für angebracht, mit aufwendigen Vorführungen auf sich aufmerksam zu machen.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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