Holocaust-Konferenz im Iran
Forum der Israel-Hasser

Den heftigsten Applaus bekommen jüdische Redner. Als Moshe A. Friedman seine Rede auf der Holocaust-Konferenz in Teheran beendet hat, brandet Beifall auf. Friedman, der sich Oberrabbi nennt und der Antizionistischen Jüdischen Gemeinde in Wien vorsteht, greift "das zionistische Regime des so genannten Staates Israel" scharf an.

TEHERAN. Der Holocaust sei von Zionisten verübt worden - um Land für den Staat Israel zu bekommen. Auch Rabbi Moshe Weiss aus den USA, den seine grauen Schläfenlocken als orthodoxen Juden ausweisen, erntet viel Zustimmung der 300 Holocaust-Leugner und Antisemiten, die sich im Teheraner Außenministerium versammelt habe. Er bestreitet nicht die Judenvernichtung, wohl aber Israels Existenzrecht.

Teheran hat sich mit der Konferenz auf Glatteis gewagt. Erst jüngst hatte das Außenministerium vehement bestritten, dass die Tagung von Neonazis dominiert werden würde. Präsident Mahmud Ahmadinedschad, der die Konferenz initiiert hatte, erschien nicht zur Eröffnung und redete statt dessen in der Teheraner Uni. Auch sein Grußwort wurde zunächst nicht verlesen. Ahmadinedschad hatte mit seiner Behauptung, der Holocaust sei "ein Märchen" eine Debatte losgetreten, die auch im Iran umstritten ist. "Wenig produktiv" sei die Diskussion, sagt ein bisher Ahmadinedschad freundlich gesinnter Abgeordneter, der seinen Namen nicht nennen will. "So wird es noch schwieriger, den Kontakt zum Westen zu normalisieren."

Auch Irans Außenminister Manucher Mottaki mühte sich sichtlich: Es gehe auf der Konferenz "Review of the Holocaust: Global View" nicht um "die Verleugnung oder Bestätigung des Holocaust". Ziel sei es, "Denkern, die ihre Ansichten über den Holocaust in Europa nicht frei äußern können, ein Forum zu geben".

Dafür erhielt Mottaki viel Applaus von eben diesen "Denkern". Doch aus Deutschland, Österreich, Frankreich, der Schweiz, Schweden und den USA waren eben doch vor allem Neo- und Altnazis angereist. Sie beklagen sich vor den Kameras laut darüber, dass sie in Europa ihre Meinung nicht offen sagen dürften ohne Gefängnisstrafen zu riskieren.

Zum Beispiel Benedikt Frings, der in Köln von der CDU zur NPD übergetreten war. Mit seinem Anstecker "Deutschland - uns wird es immer geben" schaut er in die Kameras: "Es kann keine Opfer erster und zweiter Klasse geben, aber eine Opfergruppe spielt sich immer in den Vordergrund", sagt der Zwei-Meter-Hüne mit kahlem Schädel. Der Frage nach dem Holocaust weicht Frings aus: Weil er für seine Meinung in Deutschland verurteilt werde. Die Bundesrepublik sei "eine Pseudo-Demokratie, eine von den USA annektierte Kolonie". Er sei "privat angereist aus zeitgeschichtlichem Interesse".

Offiziell waren aus Deutschland zwei Gäste eingeladen, aber ein Sprecher im iranischen Außenministerium sagte, dass sechs weitere Deutsche als Touristen gekommen seien. Wer diese Personen genau sind, sei auch ihm unbekannt. Der frühere Bundesvorsitzende der NPD, Günther Deckert, hatte kürzlich seinen Pass abgeben müssen, um ihn an einer Reise zur Konferenz zu hindern.

Die Iraner versuchen es diplomatischer als ihre Gäste: Ihm gehe es "um das jüdische Volk", sagt Mohammad Ramin, Dozent und Chef von Ahmadinedschads Wahlliste "Der gute Duft des Dienens". Denn die Juden seien nach Israel gebracht worden, damit sie in Konflikt mit den Arabern gerieten und letztlich vernichtet würden, so Ramin. Er rühmt sich, Ahmadinedschad von der Organisation der Konferenz überzeugt zu haben.

Wie sich der Holocaust-Leugner Ahmadinedschad selbst zu der Konferenz verhält, blieb offen: Angeblich wollte er ein paar der 67 aus 30 Ländern angereisten Teilnehmer empfangen. Nach Ansicht von europäischen Diplomaten verfolgt der Präsident ohnehin ganz eigene Ziele: "Er will die arabischen Länder in eine Front gegen die USA um sich scharen. Iran will sich zur Führungsmacht in der Region aufschwingen - und da sind Antizionismus und Holocaust vermeintlich probate Mittel."

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