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Homm und Niebaum bestreiten Vereinbarung

Juristische Auseinandersetzungen, gegenseitige Schuldzuweisungen, Spekulationen um gefälschte Schriftstücke - das finanzielle Desaster bei Borussia Dortmund zieht immer weitere Kreise und wird zum Wirtschaftskriminalstück.

dpa DORTMUND. Juristische Auseinandersetzungen, gegenseitige Schuldzuweisungen, Spekulationen um gefälschte Schriftstücke - das finanzielle Desaster bei Borussia Dortmund zieht immer weitere Kreise und wird zum Wirtschaftskriminalstück.

Vier Tage nach der Bilanzpressekonferenz der Borussia Dortmund Gmbh & Co. Kgaa, in der die BVB-Führungsspitze einen Rekordverlust von 67,7 Mill. Euro für das Geschäftsjahr 2003/2 004 präsentierte, nehmen die Turbulenzen beim einzigen börsennotierten Fußball-Bundesligisten zu.

"Hier wird versucht, mit gezielten Falschinformationen die Republik in Atem zu halten. Da sind Zerstörer am Werk wie in den schlimmsten Zeiten der 70er Jahre", ereiferte sich Clubchef Gerd Niebaum in der "Westfälischen Rundschau" über "bösartige und wilde Spekulationen" im Zusammenhang mit einer angeblichen Vereinbarung zwischen ihm und Großaktionär Florian Homm.

Der 55 Jahre alte Jurist aus Dortmund, der den BVB seit 1986 als Präsident führt, und Homm bestritten energisch die Echtheit eines zweiseitigen Schreibens, das die "Bild"-Zeitung in Ausschnitten veröffentlichte. "Süddeutsche Zeitung" und "Kicker" hatten tags zuvor berichtet, dass sich Niebaum für die Zeichnung der neuen BVB-Aktien durch das Homm-Unternehmen "fm limited" im Rahmen der jüngsten Kapitalerhöhung in einer "Drei-Punkte-Erklärung" dazu verpflichtet habe, am Ende der Amtszeit 2006 seinen Dienst zu quittieren.

"Ich weiß nicht, was das für ein Papier sein soll. Da muss sich entweder einer einen üblen Scherz erlaubt haben, oder es ist eine glatte Fälschung", sagte Niebaum der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" (WAZ). Da das Schreiben den Dortmundern nicht zur Verfügung steht, könne man zurzeit nichts unternehmen, sagte BVB-Pressesprecher Josef Schneck der dpa.

Der auf der Ferieninsel Mallorca lebende Fondsmanager Homm, der etwa die Hälfte der neuen Aktien zeichnete und nach eigenen Angaben nun rund 25 Prozent der Wertpapiere hält, bestätigte der "Bild"- Zeitung: "Niebaum hat hundertprozentig recht. Das Schreiben ist eine plumpe Fälschung. Die Adresse auf dem Briefbogen ist falsch. Und dieses Briefpapier benutzen wir überhaupt nicht." Er betonte erneut, er habe die Zeichnung der Aktien an keinerlei Bedingungen geknüpft.

In der "Sport Bild" bekräftigte der 44 Jahre alte Neckermann-Enkel seine lauteren Absichten und hofft, "dass der BVB spätestens in zwei Jahren schwarze Zahlen schreibt". Er sieht den mit knapp 119 Mill. Euro verschuldeten Club durch den von Niebaum und Manager Michael Meier eingeschlagenen Konsolidierungskurs auf dem richtigen Weg. Das "erste Etappenziel" sei erreicht, so Homm: "Der Verein hat die Kosten gesenkt und ist dabei, ein Umschuldungsprogramm auf den Weg zu bringen." Zudem mache es Sinn, das "Know-how des englischen Finanzdienstleisters Stephen Schechter zu nutzen und eine Anleihe von 126 Mill. Euro aufzunehmen".

Weitere Maßnahmen müssten folgen. Dabei vertraue Homm dem BVB - Führungsduo: "Ich gehe davon aus, dass die Geschäftsführung spätestens in einem halben Jahr den Turn-around schafft." Erst wenn das nicht gelänge, müsse man überlegen, "einen Controller oder einen Finanzvorstand als dritten Geschäftsführer zu installieren". Darüber gebe es eine Übereinkunft mit dem BVB. Sein öffentlich transportiertes Image als "Spekulant", "Börsenhai" oder "Zerleger von Mallorca" bezeichnete Homm als falsch: "Ich habe dem Verein in einer sehr schwierigen Situation geholfen und fange an ihn zu mögen. Deshalb werde ich dafür sorgen, dass sich wirtschaftlich alles in die richtige Richtung entwickelt."

Dass Homm als Investor Geld verdienen wolle und innerhalb erlaubter Grenzen im Verein Mitspracherecht und Einfluss ausüben wolle, ist für Niebaum legitim. "Er hat bestimmte Vorstellungen und die decken sich mit unseren", sagte der BVB-Boss im "WAZ"-Interview. "Das hat nichts mit Machtverschiebung zu tun und wird leider in ein völlig schiefes Licht gerückt." Erneut beteuerte Niebaum, dass er trotz zuletzt massiver Kritik gemeinsam mit Meier seine Aufgaben mindestens bis 2006 weiterführen wolle.

Darüber hinaus teilten die Borussen mit, dass das Hamburger Landgericht Einstweilige Verfügungen gegen zwei Zeitungen erlassen hat. Den "Ruhr Nachrichten" und der "Süddeutschen Zeitung" wird bei Androhung eines Ordnungsgeldes von jeweils 250 000 Euro verboten, Mutmaßungen und Spekulationen in Bezug auf die aktuelle Kapitalerhöhung zu verbreiten. Die Blätter hatten über Vermutungen von Stefan ten Doornkaat von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) über angebliche Rückkaufoptionen der Neuinvestoren berichtet.

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