Hooliganismus breitet sich aus
„Die Schande Englands“

Hooliganismus - ein Phämomen im Fußball, dass die Experten schon seit längerer Zeit beschäftigt. Denn eins steht fest: Es muß etwas getan werden. Und gerade die Tatasache, dass fast ausschließlich England in die Schlagzeilen gerät, wirft die Frage nach dem "warum" noch intensiver auf.

LONDON. Der englische Pressefotograf Terry Richards war seiner Zeit im Irak in feindlichen Kugelhagel geraten und hatte Todesangst. "Aber nichts konnte mich auf die zwei Stunden hirnlosen Hasses vorbereiten, mit denen ich auf den Straßen eines portugiesischen Ferienortes konfrontiert wurde", bekannte er. Wie "ein Rudel Tiere" seien die englischen Hooligans in Albufeira über ihn hergefallen, um zu verhindern, dass er ihre Verwüstungen fotografierte. Einer der Anführer wurde mittlerweile von einem portugiesischen Gericht zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt.

Die "englische Krankheit" ist auch bei dieser EM wieder ausgebrochen, und das, obwohl fast 2700 bereits auffällig gewordene Hooligans erst gar nicht nach Portugal ausreisen durften. "Die Schande Englands", titelte am Donnerstag das Massenblatt "Daily Mirror", und die "Sun" bildete sechs verurteilte Randalierer mit Foto und Namen auf der Titelseite ab. Der konservative "Daily Telegraph" schrieb im Leitartikel: "Es ist ein deprimierender Gedanke, dass Engländer, denen wirklich etwas am Image ihres Landes liegt, auf eine Niederlage des eigenen Teams hoffen müssten, damit ihnen eine Fortsetzung dieser nationalen Demütigung an der Algarve erspart bleibt." Der linksliberale "Guardian" titelte: "Es ist Zeit, das Team nach Hause zu schicken."

Warum immer England? Prof. Eric Dunning, Hooligan-Experte des Zentrums für Sportsoziologie an der Universität Leicester, nennt vor allem zwei Gründe: die britische Geschichte und die Wurzeln des Fußballsports in der Arbeiterklasse. "Es ist deshalb immer England, weil wir eine Insel sind, die einst ein Weltreich aufbaute - wir sind daran gewöhnt, ins Ausland zu gehen, um dort zu kämpfen", erläutert er. Schon 1147 legten englische Kreuzfahrer auf dem Weg nach Jerusalem in Lissabon einen Zwischenstopp zum Morden und Brandschatzen ein, später gefolgt von den Freibeutern des Sir Francis Drake und den Söldnern des Generals Wellington.

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