Horst Ehmke: Vom Kanzleramtschef zum Krimi-Autor

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Horst Ehmke: Vom Kanzleramtschef zum Krimi-Autor

Unter Kanzler Willy Brandt stand er im Machtzentrum der Republik, galt als unentbehrlicher "Unterkanzler" und "Oberminister".

dpa BONN. Es war die Zeit, wo Horst Ehmke auf die Frage seines Fahrers, wohin er ihn fahren solle, gesagt haben soll: "Egal wohin, ich werde überall gebraucht." Längst im politischen Ruhestand, feiert der ehemalige Kanzleramtschef und Bundesminister an diesem Montag (4. Februar) zurückgezogen seinen 75. Geburtstag. "Wir sind verreist", lässt der SPD-Politiker in Bonn verlauten.

Ehmke gehört zu jenen Politpensionären, die auch nach dem Regierungsumzug von Bonn nach Berlin am Rhein geblieben sind. Neben der Penthouse-Wohnung im Bonner Norden hat er ein Häuschen in der nahe gelegenen Eifel. Die vergangenen Jahre waren vor allem mit seiner neuen Leidenschaft, dem Schreiben, ausgefüllt. Thriller sind es geworden, spannende Politkrimis eines Insiders. Nach dem dritten Buch sei damit jetzt jedoch Schluss, betont Ehmke. Der gerade erschienene Roman "Himmelsfackeln" sei besonders aktuell, da er sich mit Fundamentalismus jeder Art auseinander setze.

Aus dem politischen Alltagsgeschäft hat sich das "Urgestein" schon vor Jahren zurückgezogen. Sein letztes Amt im Vorstand der Friedrich Ebert-Stiftung - gab er im Vorjahr auf. In Talk-Shows und politischen Brennpunktsendungen ist er aber mit seinen Erfahrungen immer noch gefragt.

Ehmke galt als politisches Wunderkind, das aber selbst in den eigenen Reihen nicht nur Freunde hatte. Die pointierte, bisweilen auch polemisch-scharfe Rhetorik gehörte ebenso unverwechselbar zum Politiker Ehmke wie Ideenreichtum, Querdenken und überreiches Selbstbewusstsein. In der SPD-Führung wurde er der linken Mitte zugeordnet.

Der am 4. Februar 1927 in Danzig geborene Arztsohn studierte nach seiner Entlassung aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft Jura und Volkswirtschaft und habilitierte sich 1960 in Bonn. Seit 1947 gehörte er der SPD an. 1952 war er der erste wissenschaftliche Assistent der SPD-Fraktion. Nach verschiedenen Professuren wurde Ehmke 1967 Staatssekretär im Bundesjustizministerium. Dessen Leitung übernahm er nach der Wahl Gustav Heinemanns zum Bundespräsidenten im März 1969, bis ihn Brandt nach dem sozialliberalen Machtwechsel wenige Monate später mit Ministerrang ins Kanzleramt holte.

Von 1972 bis 1974 war Ehmke Minister für Forschung, Technologie und Post. Im Zuge von Brandts Sturz über die Guillaume-Spionageaffäre beendete er auch seine Ministerkarriere. Bis 1994 gehörte der von den Genossen auch "Hotte" genannte langjährige stellvertretende Fraktionsvorsitzende noch dem Bundestag an, wo sein Spezialfeld zuletzt die Außen- und Sicherheitspolitik war.

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