Horst Piepenburg ist neuer Chef der Babcock Borsig AG
Piepenburg: Der letzte Hoffnungsträger

Sein neuer Job ist einer der schwierigsten in der deutschen Wirtschaft. Der Düsseldorfer Anwalt Horst Piepenburg soll bei Babcock Borsig retten, was noch zu retten ist.

OBERHAUSEN. Der große Saal in der ersten Etage ist brechend voll. Hunderte von Mitarbeitern drängeln sich in der Werkskantine der Babcock Borsig AG in der Oberhausener Firmenzentrale an der Duisburger Straße. Die Atmosphäre ist zum Zerreißen gespannt, als ein eher kleiner Mann im dunklen Geschäftsanzug ans Rednerpult tritt. Beifall brandet auf. Horst Piepenburg, seit wenigen Stunden neuer Vorstandschef des zahlungsunfähigen Maschinen- und Anlagenbauers, spricht zum ersten Mal zur Belegschaft.

In nüchternem Ton und klar verständlicher Sprache schildert er die desolate Lage. Er teilt seinen Zuhörern mit, dass er noch am selben Tag Insolvenzanträge für 15 weitere Babcock-Gesellschaften stellen werde. "Wir wollen möglichst viele Teile des Konzerns zusammenhalten und sie vor dem Zugriff von Gläubigern oder Dritten schützen." Gleichzeitig versucht der 48-Jährige mit der dezenten Hornbrille, eine Brücke zu den verunsicherten Mitarbeitern zu bauen. "Ich bin stolz darauf, mit Ihnen zusammenzuarbeiten. Gemeinsam wollen wir Babcock auf eine tragfähige Basis stellen", macht er ihnen Mut. Dann fällt der entscheidende Satz: "Sie sind unsere größten Gläubiger."

Das kommt bei den Babcockern gut an. Sollte es doch noch einen Funken Hoffnung geben? Am Wochenende war die spektakuläre Rettungsaktion des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Wolfgang Clement gescheitert, Babcock ohne ein Insolvenzverfahren zu sanieren. Jetzt stehen weltweit 22 000 Arbeitsplätze auf dem Spiel, davon 8 600 im Revier.

Retten, was noch zu retten ist

Jetzt muss Piepenburg versuchen, zu retten, was noch zu retten ist. Die Rolle des Vorstandsvorsitzenden ist zwar neu für den Düsseldorfer Rechtsanwalt. Doch er gehört zu den bekanntesten Insolvenzverwaltern in Deutschland. Mit seiner Kanzlei "Piepenburg Rechtsanwälte" hat er bereits mehr als 1 000 Insolvenzverfahren abgewickelt, darunter Fälle wie die Märkische Faser und das digitale Trickfilmstudio HDO in Oberhausen.

Er gilt als einer der wenigen in der Branche, die bereits große Erfahrung mit dem Insolvenzplanverfahren gesammelt haben. Dabei geht es nicht um die Zerschlagung, sondern um den Erhalt und die Sanierung eines Unternehmens. So macht er sich einen Namen, als er 1999 Küppersbusch saniert. Ihm gelingt es, den Hersteller von Hausgeräten, Großküchen- und Wärmetechnik auf eine neue Basis zu stellen.

Erfahrung im Insolvenzrecht

Piepenburg befasst sich schon seit seinem Studium mit Insolvenzrecht. Große Erfahrungen sammelt er in der renommierten Düsseldorfer Societät Dieter Zirpins, die er 1993 mit einem Partner übernimmt. Heute beschäftigt die Kanzlei in zwei Büros in Düsseldorf und Potsdam mehr als 40 Mitarbeiter. Meist ist Piepenburg in Nordrhein-Westfalen im Einsatz, er hat jedoch bereits zahlreiche Insolvenzen in den neuen Bundesländern abgewickelt. Seine Kanzlei rangierte nach einer Erhebung des RWS-Verlages in den Jahren 1999 mit 113 neuen Verfahren und 2000 mit 92 neuen Verfahren auf Rang zwei der Insolvenzverwalter.

Der Rat des Vaters dreier Kinder ist in der Branche sehr gefragt. Er leitet die Arbeitsgemeinschaft für Insolvenzrecht und Sanierung im Deutschen Anwaltsverein, dem mehr als 500 Kollegen angehören. Außerdem hat er sich durch Fachaufsätze und Bücher ("Rezepte für ein neues Unternehmertum", "Neustart nach Unternehmensinsolvenz") einen Namen gemacht.

Der Sohn eines Unternehmers aus Rees am Niederrhein gilt als umgänglicher Mensch, meist mit einem Lächeln auf den Lippen. Doch er weiß, was er will. Im vergangenen Herbst hat er sich von seinem Partner Frank Kebekus getrennt. Als Grund gab Piepenburg "unterschiedliche Auffassungen über die Geschäftspolitik" an.

In der Branche wird indes gemunkelt, dass sich Piepenburg an der zunehmenden Popularität seines Kompagnons gestört habe.

Vita

Horst Piepenburg wird 1954 im niederrheinischen Rees als Sohn eines mittelständischen Unternehmers geboren, der Metallbetten herstellt. Von 1972 bis 1975 leitet der Jurist den Ortsverband der FDP in Rees. Piepenburg spezialisiert sich auf Insolvenzrecht. 1993 übernimmt er mit einem Kollegen die Societät Dieter Zirpins. Inzwischen nennt sich die Kanzlei mit Büros in Düsseldorf und Potsdam "Piepenburg Rechtsanwälte". Er ist Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für Insolvenzrecht und Sanierung im Deutschen Anwaltverein.

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