Hotel-Problem ist lösbar
Leipzig ist groß genug für Olympische Spiele

Jacques Rogge hat dem deutschen Olympia- Kandidaten Leipzig Mut gemacht für den Wettstreit mit den Weltstädten New York, London, Madrid oder Paris. "Groß ist sie nicht. Aber zu klein? Nein", sagte der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (Freitag-Ausgabe) auf die Frage, ob die Stadt mit ihren 500 000 Einwohnern zu klein für die Ausrichtung der größten Sportveranstaltung sei.

HB/dpa HAMBURG/BERLIN. Bei der Unterzeichnung eines Sechs-Jahres- Vertrags mit der Schenker AG, dem Logistik-Unternehmen der Deutschen Bahn, als IOC-Sponsor für Transport bestätigte Rogge am Freitag in Berlin zudem, dass er auch das Problem der fehlenden Hotel- Kapazitäten für lösbar halte.

Rogge nannte das Beispiel der Winterspiele 1994 in der Kleinstadt Lillehammer. Wenn man "mit 12 000 Einwohnern im Winter Erfolg haben kann, gibt es keinen Grund, warum nicht auch 500 000 für erfolgreiche Sommerspiele ausreichen sollen. Und nicht zuletzt: Eine Stadt organisiert zwar die Spiele, aber Spiele in Leipzig wären auch Spiele in Sachsen, in Deutschland", so der 60 Jahre alte Belgier und fügte in Berlin hinzu: "Es gibt eine sehr große Begeisterung der Bevölkerung für Leipzig. Das ist ähnlich wie in Sydney."

Er verwies auf die von ihm eingeleitete Initiative, die Größe und Kosten Olympischer Spiele zu begrenzen. Dazu wird die IOC - Vollversammlung vom 2. bis 4. Juli in Prag Empfehlungen aussprechen. Dabei geht es vor allem um die Mehrfachnutzung von Wettkampfstätten. Das IOC wolle auch "mehr temporäre Anlagen, nicht zu große Stadien. Wir wollen die Zahl der Akkreditierungen drastisch reduzieren", meinte Rogge. Er räumte auch ein, dass die Eindämmung des Gigantismus durchaus ein Vorteil für kleinere Städte sein könne.

Am Rande der Vertragsunterzeichnung in Berlin traf Rogge auch kurz mit dem Leipziger Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee zusammen. Das Stadtoberhaupt erklärte danach, dass Leipzig in seinen überarbeiteten Konzepten auf kompaktere Spiele setze und erklärte damit indirekt das Aus für die ursprünglich geplanten Wettkampforte Dresden und Riesa.

Als großen Erfolg verbuchte Rogge den Fernsehvertrag mit der NBC für die Jahre 2010 und 2012. "Eine Steigerung von 46 Prozent gegenüber dem alten Vertrag, das ist ein sehr gutes Ergebnis. Ich erwarte nun auch in den Verhandlungen mit Europa eine Steigerung. Ob es auch 46 Prozent werden, will ich offen lassen", erklärte Rogge und setzt dabei auch auf die Konkurrenz privater Fernsehstationen. "Entscheidend aber ist aber nicht nur das Geld. Entscheidend ist, wie viele Menschen wir mit dem Fernsehen erreichen", sagte Rogge.

Er erneuerte seine Ankündigung, bei Missachtung des neu formulierten Anti-Doping-Codes auch ganze Sportarten und selbst Nationale Olympische Komitees (NOK) ausschließen zu wollen. Wenn ein Verband den Code "nicht akzeptiert und umsetzt, werde ich in der Exekutive den Antrag stellen, diese Sportart von den Spielen auszuschließen", betonte Rogge. Zugleich drohte er mit dem Ende der Welt-Antidoping-Agentur (WADA), falls die Regierungen ihren halben Anteil an den Zahlungen nicht leisten. "Dann ist es mit der WADA aus. Das IOC wird jedenfalls nicht mehr allein zahlen. Wir haben der WADA seit ihrer Gründung vor vier Jahren 35 Millionen Dollar gegeben. Nun sind die Regierungen am Zug. Sonst müssen sie die Verantwortung für das Ende der WADA übernehmen."

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