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Howards Strategie ging auf - Australien bleibt konservativ

John Howards Strategie ging auf, und das besser als erwartet. Keine internationale Kritik, nicht der Vorwurf der Fremdenfeindlichkeit konnte Australiens Ministerpräsidenten davon abbringen, bei der Parlamentswahl am Samstag alles auf die Karte seiner harschen Flüchtlingspolitik zu setzten.

dpa SINGAPUR/SYDNEY. Die Botschaft kam an auf dem Fünften Kontinent. Statt eines knappen Kopf-an-Kopf-Rennens mit Labor-Chef Kim Beazley zeichnete sich schon früh Howards Sieg ab, der den 62-Jährigen nun fester im Sattel scheinen läßt denn je. Herausforderer Beazley blieb nur der Rückzug vom Parteivorsitz.

Vor drei Monaten noch sah es nicht gut aus für den häufig als steif und farblos gescholtenen Regierungschef. Ein Wunder brauche er, um die Wahlen zum Repräsentantenhaus zu gewinnen, orakelten Kommentatoren. Statt dessen war es das Drama um die 460 meist afghanischen Flüchtlinge auf dem norwegischen Containerfrachter "Tampa", das Howard zum Triumph verhelfen sollte. Nie würden die aus Seenot geretteten Menschen australischen Boden betreten, hieß seine Botschaft. Australien dankte es mit einem solchen Popularitätsschub, dass selbst die Opposition nicht wagte, dagegen Front zu machen.

Abgelegene Territorien wie die Weihnachtsinseln und das Ashmore - Riff wurden per Gesetz zu Zonen erklärt, in denen niemand mehr Asyl beantragen kann, See- und Luftpatrouillen verstärkt. Howard will die "Pazifische Lösung": Ein Kranz von Flüchtlingsinseln soll künftig jene aufnehmen, die mit schwimmenden Seelenverkäufern meist von Indonesien aus auf den Fünften Kontinent wollten. Hunderte Flüchtlinge warten schon auf dem winzigen südpazifischen Inselstaat Nauru; Fidschi und Kiribati könnten als Auffangstation bald folgen - gegen großzügigen finanziellen Ausgleich aus Canberra.

"Howard wird Einiges zu tun haben, um seine Prahlerei zu beweisen, dass Australien weiterhin ein großzügiges und gastfreundliches Land ist", schieb der Kommentator der Zeitung "Sydney Morning Herald" am Sonntag. "Flüchtlinge einfach auf unseren südpazifischen Nachbarn abzuladen, wird als Politik nicht mehr als ein paar Wochen überleben." Immerhin: Die rechtsradikale Partei "Eine Nation" der Abgeordneten Pauline Hanson, die bei den Wahlen vor drei Jahren noch überraschend gut abgeschnitten hatte, zählte zu den großen Verlierern, nachdem Howard ihr das Flüchtlingsthema wegnahm.

Die Zweifel an der zwar stimmenträchtigen, aber kostspieligen Haltung gegenüber den Habenichtsen mit Ziel Australien bleiben: "An fast jeder Front steckt diese Politik im Schlamassel", urteilte der britische "Economist". Rund 150 Mill. australische Dollar (165 Mill. DM) verschlingt die harte Gangart, und noch immer legen Flüchtlingsschiffe in Richtung Inselkontinent ab, mehrere tausend Asylsuchende sollen in Indonesien sitzen.

Daheim warten auf Howard noch andere Probleme. Die Arbeitslosenquote auf dem Fünften Kontinent liegt inzwischen bei 7,1 %, dem höchsten Wert seit zwei Jahren. Doch hat der Regierungschef schon durchblicken lassen, womöglich seine Amtszeit von drei Jahren gar nicht ganz zu Ende bringen zu wollen.

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