HP wird weltgrößter Anbieter von Personalcomputern und Druckern – 15 000 Arbeitsplätze fallen weg
Hewlett-Packard kauft Compaq

Der harte Wettbewerb in der Informationstechnologie zwingt HP und Compaq unter ein Dach. Vereint wollen sie in den lukrativen Markt für IT-Dienstleistungen vordringen.

HANDELSBLATT, 5.9.2001

tor/hus/ehe NEW YORK. Der US-Konzern Hewlett-Packard Co. (HP) aus Palo Alto übernimmt für 25 Mrd. $ in Aktien den Konkurrenten Compaq Computer Corp., Houston. Mit einem Jahresumsatz von 87,4 Mrd. $ und 145 000 Mitarbeitern steigt HP damit zum weltweit größten Anbieter für Personal Computer (PC) und Drucker auf. "Wir ändern die Spielregeln in der gesamten Branche", kündigte HP-Chefin Carly Fiorina an, die auch den neuen Konzern führen wird.

In erster Linie reagieren die beiden Unternehmen jedoch auf den wachsenden Wettbewerbsdruck. Mit HP und Compaq verbünden sich zwei Konzerne, die von der tiefen Krise auf dem Markt für Informationstechnologie (IT) besonders hart getroffen wurden. Erstmals seit 15 Jahren ist im 2. Quartal 2001 der weltweite Absatz von PC zurückgegangen. Zugleich haben Unternehmen ihre IT-Ausgaben drastisch gesenkt. Die Folge sind enorme Überkapazitäten bei den Anbietern und ein beinharter Preiskampf, bei dem zuletzt der Computerbauer Dell deutlich Marktanteile gewinnen konnte.

Auf dem PC-Markt ziehen HP und Compaq mit einem gemeinsamen Marktanteil von 19 % an ihrem Erzrivalen Dell vorbei, der bislang mit etwa 13 % Branchenprimus war. Wichtiger für die beiden Unternehmen ist es jedoch, dass sie im wesentlich margen- und wachstumsstärkeren Bereich der Server und IT-Dienstleistungen den Anschluss an den Marktführer IBM finden. "Hier hat das neue Gespann den größten Nachholbedarf", sagte Steve Milunovich, Analyst bei Merrill Lynch. Weder Compaq noch HP haben es allein geschafft, den Wandel vom Computerbauer zum IT-Dienstleister zu vollziehen. Milunovich warnt zudem vor allzu großer Euphorie, da sich Fusionen in der Computerbranche als bislang außerordentlich schwierig erwiesen hätten.

HP verspricht sich von der Übernahme Kostensenkungen in Höhe von jährlich 2,5 Mrd. $, die ab 2004 voll wirksam werden sollen. Da beide Unternehmen sich in vielen Bereichen überlappen, sollen drei Viertel dieser Einsparungen durch den Abbau weiterer 15 000 Arbeitsplätze erreicht werden. HP und Compaq haben in diesem Jahr bereits rund 15 500 Stellen gestrichen. "In den kommenden zwei Jahren rechnen wir weiterhin mit schrumpfenden Umsätzen", sagte HP-Chefin Fiorina.

Die Aktionäre von Compaq erhalten 0,6325 HP-Anteile für jede Aktie. Das enstpricht einem Preis von 14,68 $ und damit einem Aufschlag von 19 % gegenüber dem Schlusskurs vom vergangenen Freitag. Mit 64 % der Anteile behalten die HP-Aktionäre klar die Oberhand. Carly Fiorina wird dem entsprechend Chairwoman und Chief Executive Officer (CEO) des Konzerns, Compaq-Chef Michael Capellas soll als Präsident fungieren. Der Unternehmenssitz bleibt Palo Alto. An der Börse in New York verlor die Aktie von HP zeitweise nahezu 17 %, der Kurs von Compaq gab um rund 8 % nach.

Die Übernahme muss noch von den Wettbewerbshütern in Washington und Brüssel abgesegnet werden. Experten rechnen mit einer intensiven Prüfung, da das neue Unternehmen vor allem im Vertrieb überden PC-Einzelhandel eine überragende Stellung inne hat. "Wir werden das Geschäft mit Druckern und PC unter der Marke HP zusammenfassen. Das wird vermutlich der heikelste Punkt für die Kartellbehörden sein", räumte Jeff Clarke, Finanzchef von Compaq, ein. Edward Graham, Wettbewerbsfachmann beim Institute for International Economics in Washington, erwartet, dass die Kartellwächter in Brüssel die Übernahme deutlich kritischer sehen als ihre Kollegen in Washington. Fiorina rechent dennoch mit der Zustimmung und verweist auf den harten Wettbewerb im IT-Sektor. Die HP-Chefin geht von einer Prüfzeit von bis zu neun Monaten aus.

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