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HSV hält an Toppmöller fest - Bayer siegt unspektakulär

Die Führung des Hamburger SV brauchte fast eine Stunde, um nach dem 0:3 bei Bayer Leverkusen die Bewährungsfrist für Chefcoach Klaus Toppmöller zu verlängern.

dpa LEVERKUSEN. Die Führung des Hamburger SV brauchte fast eine Stunde, um nach dem 0:3 bei Bayer Leverkusen die Bewährungsfrist für Chefcoach Klaus Toppmöller zu verlängern.

Erst dann erklärte Bernd Hoffmann, der Vorstandsvorsitzende: "Es gibt eine klare Rückendeckung für den Trainer. Er hat unser Vertrauen. Punkt. Wir gehen davon aus, das wir mit ihm da unten rauskommen und in 14 Tagen gegen Arminia Bielefeld dazu den ersten Schritt tun." Eine Ablösung hätte in den Gesprächen nach dem schwächsten Saisonstart seit 32 Jahren "nicht zur Debatte" gestanden. "Da haben wir nur den Frust abgebaut. Denn ich habe mich die Krätze geärgert", sagte Hoffmann.

Wirklich überzeugt zeigte sich Toppmöller ("Beim HSV blicke ich nicht mehr durch") von dem zögerlichen Schulterschluss bei seiner unglücklichen Rückkehr an die alte Wirkungsstätte nicht. "Ich habe Spaß an meinem Job", sagte der 53-Jährige, der zwischen Juni 2001 und Februar 2003 erfolgreich in Leverkusen gearbeitet hatte. Danach eilte er an den Tresen der Pressebar, genehmigte sich ein Bier und stieß unwirsch einen TV-Kameramann beiseite, als seine Frau Rosi ihn trösten wollte. Balsam für seine Seele waren die aufmunternden "Toppi"-Sprechchöre der Bayer-Zuschauer: "Die Fans wissen, dass ich anständige und ehrliche Arbeit abliefere."

Trotz der vierten Auswärtsniederlage der Saison und des Absturzes auf den vorletzten Tabellenrang halten die HSV-Spieler zu ihm. "Wir haben alle das selbe Ziel, der Trainer und wir", meinte Kapitän Daniel van Buyten, "und das machen wir jetzt alle gemeinsam." Schließlich fehlte es den Hanseaten gegen wenig überzeugende Gastgeber nicht an Spielwitz und Tormöglichkeiten, nur an deren Verwertung. "Ich denke, dass wir die eindeutig bessere Mannschaft waren, die aus einer Vielzahl von Chancen kein Tor gemacht hat", sagte Toppmöller unwidersprochen.

Kein Verständnis zeigte Bayer-Chefcoach Klaus Augenthaler, dass sein Vorgänger in Leverkusen um den Job zittern muss: "Hamburg hat in Stuttgart, Kaiserslautern und hier gut gespielt. Dass sich da überhaupt die Frage stellt, macht mir Angst." Manschetten hatte er aber selbst nach drei Pflichtspiel-Niederlagen in Serie, dass sich die Negativserie zur Krise ausweitet. "Es war ein Arbeitssieg, der schöner war als der gegen Bayern München", sagte Augenthaler erleichtert und stellte ehrlich fest: "Das war nicht Fußball vom Traumschiff, sondern mehr von der Galeere."

Bayer-Kapitän Jens Nowotny scherte das wenig. "Wir sind in der Vergangenheit oft in Schönheit gestorben und haben verloren, so ist es mir lieber", meinte er nach dem mühsamen Erfolg durch Tore von Jacek Krzynowek (10.), Juan (73.) und Dimitar Berbatow (86.). Dass das 3:0 möglicherweise zum frühzeitigen Abgang des Ex-Coaches beim HSV beitragen könnte, kommentierte Nowotny kalt: "Wenn es so sein sollte, können wir es nicht ändern. Das ist das Geschäft Fußball. Er hätte auch nicht groß geweint, wenn der HSV gewonnen hätte."

Sieger im schwachen Bayer-Team war neben dem überragenden Polen Krzynowek noch der zuletzt hart kritisierte Torwart Jörg Butt. Der Ex-Hamburger verhinderte mit Glanzparaden eine weitere Pleite. "Der Druck, der auf uns lastete, war riesig", bekannte der Keeper und wollte die "überzogene Kritik" der vergangenen Tage vergessen. Die Lobhudelei nach dem Champions-League-Coup gegen Real Madrid (3:0) und dem Sieg gegen den FC Bayern (4:1) seien eher Gift gewesen: "Da wurden wir zu extrem gelobt." Nach dem Befreiungsschlag gegen den HSV hat man beim Tabellen-Sechsten wieder Mut gefasst: "Damit haben wir den Anschluss geschafft. Wir wollen oben angreifen", so Butt.

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