Huber (CSU) fordert Wiederaufnahme der Verhandlungen mit Kirch
Beck lässt WM-Übertragung 2006 rechtlich prüfen

Der SPD-Politiker wies darauf hin, dass die öffentliche Hand zur Vorbereitung der WM 2006 enorme Summen in den Ausbau der Stadien investiere. Dies sei kaum zu rechtfertigen, wenn die meisten Spiele dann nur im Bezahlfernsehen zu sehen seien.

ap MAINZ. Der Vorsitzende der Rundfunkkommission der Länder, der Mainzer Ministerpräsident Kurt Beck (SPD), lässt derzeit rechtlich prüfen, ob die Fußball-WM 2006 in Deutschland als "nationales Ereignis" komplett im frei empfangbaren Fernsehen übertragen werden muss.
Beck verwies am Mittwoch auf das Beispiel Großbritannien, das eine entsprechende Regelung festgeschrieben hat. Der Regierungschef sagte, er sehe immer noch eine Chance, dass sich ARD und ZDF mit der Kirch-Gruppe über die Senderechte einigen.

Beck kritisierte, für die Riesensummen, über die jetzt geredet werde, sei letztlich der internationale Fußballverband FIFA verantwortlich: "Ich glaube, dass die Grenzen zumindest erreicht sind." Es sei an der Zeit, dass die Diskussion über diese Entwicklung in den nationalen Fußballverbänden geführt werde. Der SPD-Politiker wies darauf hin, dass die öffentliche Hand zur Vorbereitung der WM 2006 enorme Summen in den Ausbau der Stadien investiere. Dies sei kaum zu rechtfertigen, wenn die meisten Spiele im Bezahlfernsehen zu sehen seien.

Der Ministerpräsident sagte, er sehe die Gefahr, dass durch die zunehmende Kommerzialisierung der Volkssport Fußball selbst immer mehr in den Hintergrund gerate. Die zunehmenden Fanproteste in den Stadien seien auch eine Reaktion auf diese Entwicklung. Nach dem deutschen Rundfunkstaatsvertrag müssen das Eröffnungsspiel, Halbfinale und Finale der WM sowie alle Spiele der deutschen Nationalmannschaft als "nationale Ereignisse" im öffentlich-rechtlichen Fernsehen übertragen werden.

Auch Stolte und Simonis für gesetzliche Regelung

Rund zwei Drittel der Deutschen befürworten ein Gesetz, mit dem die Übertragung aller Spiele der Fußball-WM 2006 in Deutschland im frei empfangbaren Fernsehen sichergestellt wird. Eine Umfrage des Forsa-Instituts im Auftrag der Hamburger Wochenzeitung "Die Woche" ergab, dass 82 % der 1 002 Befragten ein solches Gesetz für notwendig halten. 32 % finden es überflüssig.
ZDF-Intendant Dieter Stolte und die schleswig-holsteinische Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD) plädierten in dem Blatt dafür, eine besondere Regelung für die Übertragung der WM-Spiele in Deutschland zu schaffen. Stolte sagte, die Länder hätten beim Rundfunkstaatsvertrag "die Situation, dass ein so hochrangiges Turnier in Deutschland stattfindet, nicht bedacht." Der ZDF-Chef fügte hinzu: "Da es in diesem Fall über das Sportereignis hinaus zugleich eine gesamtgesellschaftliche Bedeutung hat, läge eine Ausweitung der Liste durchaus im nationalen Interesse."

Simonis erklärte, sie könne sich vorstellen, "dass die Fußball-WM 2006 im eigenen Land besonderen Schutz genießen könnte und deshalb jedes Spiel als gesellschaftliches Großereignis gezeigt werden müsste". Sie verwies darauf, dass der Ausbau der Fußballstadien in großem Umfang vom Steuerzahler mitfinanziert wird.

Der Leiter der bayerischen Staatskanzlei, Erwin Huber (CSU), bezeichnete den Abbruch der Verhandlungen zwischen der Kirch-Gruppe und den öffentlich-rechtlichen Sendern als "gigantisches Eigentor der ARD". Huber sagte: "Ich fordere die Beteiligten auf, die Verhandlungen wieder aufzunehmen."

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