Huber oder Peters?
Rennen um Zwickel-Nachfolge bestimmt Metall-Runde

Im Tarifkonflikt der Metall- und Elektroindustrie geht es nicht nur um Einkommensverbesserungen für die 3,6 Millionen Beschäften in der Branche. Mit einem möglichst hohen Abschluss wollen sich auch die beiden potenziellen Kandidaten für das 2003 anstehende Rennen um die Nachfolge von IG-Metall-Chef Klaus Zwickel innerhalb der Gewerkschaft in eine gute Ausgangsposition bringen.

rtr HAMBURG. Die Arbeitgeber unterstellen sogar, ein Teil der IG Metall habe sich nach dem von vielen Gewerkschaftsfunktionären als zu niedrig empfundenen Abschluss 2000/2001 diesmal wieder als klassische Kampforganisation präsentieren und aus diesem Grund von Anfang an streiken wollen. Der Berliner Gewerkschaftsforscher Hans-Peter Müller beobachtet einen Machtkampf zwischen dem baden-württembergischen IG-Metall-Bezirkschef Berthold Huber und dem im IG-Metall-Vorstand für Tarifpolitik zuständigen Jürgen Peters.

Als zweiter Vorsitzender der IG Metall gilt Peters zugleich als "geborener" Anwärter auf den Chefposten in der größten Industriegewerkschaft. Aber auch Huber werden gute Chancen einräumt, wenn der in seinem Bezirk doch noch einen auch für andere Regionen akzeptablen Abschlusses zu Stande bekommen sollte. Danach sieht es zurzeit aber nicht aus, nachdem die IG Metall erst in Baden-Württemberg und danach auch in allen anderen Tarifbezirken die Gespräche für gescheitert erklärt und damit die Weichen für einen Streik gestellt hat.

"Der Machtkampf neigt sich damit zu Peters' Gunsten", sagt Müller. Das habe sich schon abgezeichnet, als die Spitze der IG-Metall in der vorigen Woche nach Stuttgart angereist sei, um die Tarifverhandlungen in dem Bezirk zu begleiteten. Peters habe Huber am Verhandlungsort in Ludwigsburg unter "Kuratel" gestellt. Im Gegensatz zur Tarifrunde vor zwei Jahren, in der der damalige IG-Metall-Bezirkschef von Nordrhein-Westfalen, Harald Schartau, die Gewerkschaftszentrale mit einem nächtlichen Durchbruch überraschte, sei Huber kein Spielraum gelassen worden. "Der hätte gar nicht alleine gekonnt", sagte Müller.

Seiner Ansicht nach hat Peters von Anfang an in dieser Tarifrunde auf einen Streik als Mittel gesetzt, um sich in der eigenen Organisation zu profilieren. Im Gegensatz zur konkurrierenden Chemiegewerkschaft IG BCE, die erneut den ersten großen Abschluss in einer Tarifrunde erzielt hat, sei die IG Metall wegen ihrer auf Bezirken basierenden regionalen Struktur schwieriger zu führen. "Der Laden muss zusammengehalten werden. Da ist eine Tarifbewegung ein wichtiges Gemeinschaftserlebnis."

Auf dieses Gemeinschaftserlebnis habe die Gewerkschaft mit dem über zwei Jahre laufenden letzten Tarifabschluss einmal verzichten müssen und nun einen Nachholbedarf. Während ein solches Verhalten aus externer Sicht als irrational bezeichnet werden dürfe, so habe es aus interner Sicht doch eine Logik.

Hinzu komme der Prestigekampf zwischen IG Metall und IG BCE um die Tarifführerschaft im Gewerkschaftslager. Die IG Metall habe allein schon wegen der von den Arbeitgebern in Baden-Württemberg für einen Tarifvertrag vorgeschlagenen 15-monatigen Laufzeit nicht zustimmen können, weil sie damit eingewilligt hätte, künftig immer erst nach der Chemiegewerkschaft abzuschließen. Der mit den Chemiearbeitgebern vereinbarte Tarifabschluss für Einkommensverbesserungen im Gesamtvolumen von 3,6 Prozent hat nur eine Laufzeit von 13 Monaten.

Im Arbeitgeberlager ist sogar die Rede davon, der Machtkampf in der IG Metall spiele in dieser Tarifrunde "die entscheidende Rolle". Peters habe von Anfang an auf Streik gesetzt, um sich als Zwickel-Nachfolger durchzusetzen. Bei den Tarifgesprächen in Baden-Württemberg habe man das Gefühl gehabt: "Das könnte klappen." Bis das Nein des angereisten IG-Metall-Vorstands gekommen sei.

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