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Hubschrauerangriff gegen Palästinenser

Bei einem israelischen Hubschrauberangriff sind am Donnerstag im nördlichen Westjordanland zwei Palästinenser getötet worden. Nach palästinensischen Angaben feuerten Soldaten zwei Raketen auf ein Fahrzeug in der Autonomiestadt Tulkarem, in dem Mitglieder der Fatah-Bewegung Jassir Arafats unterwegs waren.

dpa TULKAREM/GAZA. Zwei der Insassen seien bei dem Angriff ums Leben gekommen und zwei verletzt worden, hieß es. Drei Passanten wurden leicht verletzt. Seit Beginn der Intifada vor knapp einem Jahr hat Israel nach palästinensischen Angaben mehr als 60 mutmaßliche palästinensische Extremisten liquidiert.

Knapp ein Jahr nach Beginn der Intifada stecken die autonomen Palästinensergebiete in der schwersten Wirtschaftskrise seit drei Jahrzehnten. Selbst im Falle eines Waffenstillstandes werde es drei bis fünf Jahre dauern, bevor das Niveau vom September vergangenen Jahres wieder erreicht sei, sagte Chaled Abdel Schafi vom UN-Entwicklungsprogramm (UNDP) am Donnerstag in Gaza. Die Verluste für die palästinensische Wirtschaft bezifferte er auf rund vier Mrd. $ (8,8 Mrd. DM / 4,5 Mrd. ?). Das seien rund 80 % des Bruttosozialproduktes eines Jahres.

Als Hauptgründe für die Wirtschaftskrise nannte Schafi die Abriegelung des Gaza-Streifens und palästinensischer Städte durch die israelische Armee, die Verschiebung geplanter Projekte internationaler Organisationen sowie einen "totalen Vertrauensverlust" ausländischer Investoren. Die israelische Regierung begründet die anhaltende Blockadepolitik mit Sicherheitsgründen.

Im Gaza-Streifen sei inzwischen jeder zweite und im Westjordanland jeder dritte Arbeitnehmer arbeitslos, sagte Schafi. Jeder dritte Palästinenser lebe unter der Armutsgrenze von zwei Dollar (4,40 DM / 2,25 ?) pro Tag. 160 000 palästinensische Arbeitnehmer könnten wegen der Abriegelung nicht mehr in Israel arbeiten. Wegen des Zusammenbruchs des Baugewerbes, der Industrie und der Landwirtschaft habe weiterhin die Hälfte der bei palästinensischen Unternehmern Beschäftigten ihren Arbeitsplatz verloren. Dritter Grund für die hohe Arbeitslosigkeit sei die Verschiebung von Projekten internationaler Organisationen und Geldgeber.

"Die Situation steuert auf eine Explosion hin", sagte Schafi. "Alles führt zu noch mehr Fanatismus und Extremismus." Andererseits hätten allein 40 000 Palästinenser Anträge auf Einreisevisa für die Vereinigten Staaten und Kanada gestellt.

Statt eines erwarteten Wirtschaftswachstums von fünf bis sechs Prozent für das laufende Jahr bewege sich das Bruttosozialprodukt auf ein Minus von 15 % zu, sagte Schafi. Die privaten Investitionen von Palästinensern seien um die Hälfte gesunken. "Es wird mindestens zwei Jahre dauern, bis der erste internationale Investor überhaupt bereit ist, auch nur einen Dollar auszugeben."

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