Hürden bei 93,5 und 96 US-Cents
Chartkommentar: Der Euro stößt auf einen Widerstand

Der Euro hat Potenzial nach oben. Dieses abgegriffene Zitat vieler Zentralbanker aus den Jahren 2000 und 2001 wird jetzt Realität. Ursache ist weniger eine Euro-Stärke, sondern die Schwäche des Dollars.

DARMSTADT. Die amerikanische Wirtschaft und die Finanzpolitik des republikanischen Präsidenten George W. Bush produziert zunehmend Schwächezeichen, die eine nachhaltige Abwertung des Dollars nach sich ziehen. Sentiment- und charttechnische Signale bestätigen diese Einschätzung.

Vom breiten Publikum kaum bemerkt hat die europäische Gemeinschaftswährung seit dem Allzeit-Tief, das zeitgleich mit den amerikanischen Präsidentenwahlen im Herbst 2000 auftrat, zum Dollar um gut 15 Prozent zugelegt. In den 20 Folgemonaten hatte der Euro zwei weitere Tiefpunkte ausgebildet, die beide über dem jeweils vorangegangenen lagen.

Nach zwei schärferen Anstiegen hat die jüngste Bewegung zu Jahresbeginn zunächst zögerlich begonnen. Es ist diese "neue Langsamkeit", die auf einen Rückzug der "starken Hände" aus dem Lager der Dollar-Bullen schließen lässt. Seitdem vor wenigen Wochen die Risikoprämie für Devisenoptionen, gemessen an der impliziten Volatilität, auf ein Mehrjahres-Tief gefallen war, haben die professionellen Trader ihre Long-(Kauf)Positionen im Euro auf neue Rekordstände ausgebaut. Dies spielt dem Euro zu.

Nach den Terrorangriffen im September 2001 sind die Nettokapitalzuflüsse in die USA weggebrochen. Zuvor konnten diese das hohe Handelsbilanzdefizit finanzieren. In die sich öffnende Lücke sprangen japanische Investoren, die allein im letzten Quartal 2001 acht mal so viele US-Staatsanleihen kauften als sonst in diesem Zeitraum üblich. Die Europäer hatten sich mit Devisengeschäften ebenfalls solidarisch gezeigt. Jetzt sind es wieder die Zentralbanken, die eine Abwertung des Dollars verhindern können, indem sie ihre Devisenreserven nicht verkaufen.

Stärken würde den Dollar ein Anstieg des weltweit in Dollar gehandelten Öls - etwa bei einer Krisenzuspitzung in Indien/Pakistan, in Nahost oder im Zusammenhang mit dem internationalen Terrorismus. Gleichsam dürften die zunehmenden europäischen Budgetsorgen den Euro schwächen. Beunruhigend wirkt in diesem Zusammenhang Italien, das seine Staatsschuld immer kurzfristiger finanziert.

Der Euro ist kurzfristig überkauft und im Bereich von bei 0,9350 $ an einem Widerstand angelangt - dem mittelfristigen Abwärtstrend. Bei einer kurzfristig möglichen Korrektur sollte die Marke bei 0,91 $ als Unterstützung dienen. Ein Anstieg über den nur schwach wirkenden Abwärtstrend kann sich anschließend zunächst bis an den Widerstand bei 0,96 $ vollziehen. Hier lagen im Juni 2000 und Anfang 2001 die Hochpunkte. Der sich seit 1995 herleitende Abwärtstrend liegt derzeit bei 1,04 $. Dies ist ein weiterer Widerstand auf dem Weg nach oben.

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