Hugh Osmond gehört zu den schillernsten Unternehmern Großbritanniens
Reich, jung und aggressiv

Gegenwehr stachelt "Raubritter" Osmond nur noch mehr an: Der Pub-König will den weltweit zweitgrößten Hotelbetreiber übernehmen. Die Briten bewundern den frechen Angreifer.

LONDON. Hugh Osmond hat sein Ziel immer klar vor Augen. Beim jüngsten Husarenstück des forschen Unternehmers trifft dies sogar fast wörtlich zu. Von seinem Büro in der Londoner Baker Street kann der mit Pizza und Pubs zum Multimillionär gewordene Brite sein Objekt der Begierde fast sehen. Die Zentrale des Hotelriesen Six Continents (6C), für die Osmond am Montag ein milliardenschweres Übernahmeangebot abgegeben hat, ist keine fünf Fußminuten entfernt.

So nah und doch so fern: Die Unterschiede zwischen den beiden Welten könnten kaum deutlicher sein. Während das 6C-Management nun hinter der feinen Fassade aus Marmor und Glas nervös an einer Abwehrschlacht feilt, bläst der 40-jährige Osmond in seinem kleinen und eher schäbigen Büro mit flotten Sprüchen zum Angriff: "Sei entschlussfreudig, nutze deine volle Kraft und handle noch heute." Geradezu philosophisch verkauft der Brite seine Strategie.

Im Klartext ist diese simpel: Bist du nicht willig, gehe ich die harte Tour. Denn der smarte "nice guy", wie ihn Kollegen oft beschreiben, kann knallhart sein, wenn es ums Geschäft geht. So hat er schon manchen Geschäftspartner und auch Freunde verloren, aber dafür spektakuläre Übernahmekämpfe gewonnen. Jetzt will er die 3 200 Hotels und 2 000 Kneipen von 6C an sich reißen.

Das große Geld soll die Zerlegung des Konzerns und der Verkauf bringen. Die Idee hat einigen Charme - und Chancen. Unter dem Dach von 6C vereinen sich bekannte Marken wie "Holiday Inn", "Crown Plaza" oder "Interconti". Interessenten gibt es bereits. Der Deal könnte Osmond eine halbe Milliarde Euro bringen. Netto natürlich. Damit würde sich das auf 200 Millionen Euro geschätzte Vermögen der Nummer 106 unter den reichsten Briten mal eben verdreifachen.

Doch Osmond muss sich gedulden. Seine Offerte ist auf der anderen Seite der Oxford Street, in der 6C-Zentrale, bereits abgeblitzt. Der Jungunternehmer wolle sich den Konzern nur billig unter den Nagel reißen, heißt es dort.

Gegenwehr scheint den "Raubritter" jedoch nur noch mehr anzustacheln. Das 6C-Management habe in den vergangenen Jahren Milliarden vernichtet, schaltet er auf Angriff. Die Aktionäre würden sicher bald begreifen, dass es für den Konzern eine andere Alternative gebe, als "von dieser Muppets-Show geführt zu werden". Das Schießen mit scharfer Munition gehört zu seinen Hobbys.

Reich, jung, aggressiv - zu diesem Geschäftsmodell à la Osmond passen eben keine Streicheleinheiten. Zwar ist der Entrepreneur vielen Briten suspekt, da seine Hintermänner - mal Großbanken, mal Konzerne oder finanzielle Schwergewichte wie George Soros - meist im Dunkeln bleiben. Doch die Bewunderung für den frechen Angreifer aus Berkshire überwiegt. Und die Rolle als David im Kampf gegen Goliath ist dem Ferrari-Fahrer wie auf den Leib geschnitten. Er reagiere schnell und überlegt, so Mitstreiter, zudem unerschrocken und ohne Rücksicht auf Verluste.

Das musste auch sein alter Studienkumpel Luke Johnson erfahren, mit dem er einst den Grundstein für seinen Reichtum gelegt hatte. Nach dem Medizinstudium hatte das untrennbare Duo aus Oxford-Zeiten 1993 die Kette "Pizza Express" gekauft und an die Börse gebracht. Eine Goldgrube: Für umgerechnet rund 26 Millionen Euro übernommen, war das Unternehmen 2001 an der Börse über eine Milliarde Euro wert. 1994 die gleiche Tour. Das Duo kaufte die Restaurantkette "My Kinda Tower" für umgerechnet knapp 19 Millionen Euro und verscherbelte sie zwei Jahre später für 83 Millionen Euro. Als sich die beiden Blutsbrüder jedoch später als Pub-Rivalen wiedertrafen, hörte die Freundschaft auf. Osmond stoppte seinen alten Weggefährten - per Anwalt.

Kein Wunder, dass Osmond nicht nur Freunde hat. Doch selbst Neider und Gegner bescheinigen ihm, dass er stets einen sehr guten Riecher für das große Geschäft hat. So etwa auch Mitte der neunziger Jahre, als die britischen Brauereien begannen, sich von ihren Pubs zu trennen. Osmond griff schnell und entschlossen zu und ist heute Chairman und Mitbesitzer einer der größten Kneipenketten im Land.

Dabei machte ihn 1999 der spektakuläre Sieg in der Übernahmeschlacht um die 3 500 Kneipen von Allied Domecq erstmals berühmt und berüchtigt. Die Übernahme des Hotelriesen 6C soll nun sein Meisterstück werden. Dem Multimillionär werden durchaus Chancen eingeräumt. "Osmond ist einfach der geborene Deal-Maker", sagt ein Banker.

Und egal wie der Kampf um 6C endet: es wird nicht sein letzter sein. Der Mann, der nach eigenen Worten ein "lausiger Arzt" geworden wäre, hat bereits weitere englische Patienten ausgemacht. 50 bis 100 Firmen an der Londoner Börse seien schlecht gemanagt und momentan billig zu haben. Dann lässt er wissen: Er habe weitere große Namen im Visier hat.

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VITA

Hugh Osmond wird im März 1962 in Berkshire geboren und tritt zunächst beruflich in die Fußstapfen seines Vaters - er studiert Medizin. Doch schon in Oxford denkt Osmond eher an das schnelle Geld und organisiert mit einem Uni-Kumpel Partys und Diskos. Nach dem Studium gründet er eine Computerfirma, arbeitet als Investmentbanker in Madrid und hat verschiedene Jobs in den USA. 1993 gelingt ihm mit dem Kauf der Kette "Pizza Express" der Erfolg. Der Börsengang macht ihn zum Milliardär. 1997 steigt Osmond in das Pub-Geschäft ein und baut die Kneipenkette "Punch Tavern" auf. Für Schlagzeilen sorgt er, als er die Schlacht um 3 500 Pubs von Allied Domecq gewinnt. Heute besitzt er noch ein Drittel an Punch Tavern (der Rest gehört Texas Pacific) und ist Chairman. Osmond lebt mit Partnerin Lucy und einem kleinen Sohn in Nordlondon und hat ein Landhaus westlich der Stadt. Als Hobbys nennt er neben seinem Ferrari Skifahren, Tennis und Schießen.

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