Hugo Boss, Escada und Gerry Weber profitieren vom Ausland und ihren Konzepten
Modeanbieter überwinden die Flaute

Wer im Inland einen guten Namen hat und im Ausland trotz Konjunkturflaute wächst, hat die besten Kurschancen. Analysten setzen auf die Modeschneider Hugo Boss, Escada und Gerry Weber.

DÜSSELDORF. Welches Ansehen die Aktien der Bekleidungsindustrie als Anlageobjekt haben, lässt sich schnell erläutern. Die Wertpapiere kleinerer Unternehmen mit geringem Auslandsanteil werden von Analysten kaum mehr beobachtet. Das ist nicht verwunderlich, denn das Geschäft mit Bekleidung ist seit Jahren einem Schrumpfungsprozess unterworfen.

In Deutschland ging der Umsatz von 28,4 Mrd. DM (1991) auf 21 Mrd. DM im Vorjahr zurück. Die Zahl der Betriebsstätten sank in diesem Zeitraum von 2 003 auf 695. Vor allem die schwache Binnenkonjunktur bereitet Probleme. "Mit einem Rückgang von 4,4 % ließ die Inlandsnachfrage im Jahr 2000 erneut zu wünschen übrig", charakterisiert der Kölner Bundesverband Bekleidungsindustrie (BBI) die Lage.

Dennoch gibt es Bekleidungshersteller, die der Marktentwicklung trotzen - zum einen weil sie mit ihren Konzepten überzeugen und selbst auf dem schrumpfenden Heimatmarkt Anteile gewinnen, zum andern weil sie sich im wachstumsstärkeren Ausland einen Namen gemacht und ein neues Wachstumspotenzial erschlossen haben.

Das ist wichtig, denn die Auslandsnachfrage wuchs im Vorjahr nach Auskunft des BBI immerhin um 1 %. Und international gesehen, so stellt der Kölner Verband klar, sei der Handel mit Textilien und Bekleidung sogar eine ausgesprochene Wachstumsbranche mit rasanten Zuwächsen: Betrug der Welthandel 1963 nur 9 Mrd. $, waren es 1980 bereits 100 Mrd. $, und im Jahr 2000 wurde die Grenze von 350 Mrd. $ überschritten. Die jährliche Wachstumsrate lag bei 9,5 %.

In Deutschland gibt es unter den börsennotierten Unternehmen drei, die sich von diesem Kuchen ihr Stück abschneiden. Das sind Gerry Weber (Umsatz: 581 Mill. DM) , Escada (1,593 Mrd. DM) und Börsenliebling Hugo Boss (1,8 Mrd. DM). "Für diese Unternehmen besteht eine gute Zukunft im europäischen Ausland", meint Michael Winkler von der WestLB. "Das gilt aber nur für Marken, die überzeugende Konzepte und ein gutes Marketing haben wie Gerry Weber oder Hugo Boss."

Mit einem Fragezeichen versieht Volker Hergert, Analyst der Bankgesellschaft Berlin, derzeit den US- Markt, auf dem Escada 30 % und Hugo Boss 15 % der Umsätze erzielen. Würde sich die Konjunktur in den Vereinigten Staaten - wie von Konjunkturexperten befürchtet - tatsächlich abschwächen, dann würde das bei den Unternehmen schon Spuren hinterlassen, schätzt der Marktbeobachter. Basis für den Erfolg im Ausland ist allerdings eine gute Unternehmens-Story, die zunächst beim heimischen Kunden ankommen muss.

Überzeugendes Konzept und der Name sind wichtig

"Der Name Hugo Boss ist phantastisch eingeführt. Für mich ist dass ein Phänomen", konstatiert Volker Hergert. Und Michael Winkler fasst zusammen: "Um sich auf dem deutschen Markt zu behaupten, muss eine Marke beim Kunden Begehrlichkeiten wecken wie Hugo Boss."

Oder aber, er muss ein überzeugendes Konzept für den Einzelhandel bieten wie Gerry Weber, spielt Winkler auf die erfolgreichen Shop-in-Shop- Konzepte des Herstellers aus Halle an. Auf seinen Flächen werden Quadratmeterumsätze erzielt, die weit über dem Durchschnittswert der Warenhauskonzerne Karstadt oder Kaufhof liegen. "Die Kaufhäuser reißen sich um die Kollektionen, weil es sich um ein ausgereiftes Konzept handelt", urteilt Uwe Weinreich, Analyst der Bankgesellschaft Berlin.

"Escada hat als Unternehmen des Luxussegments noch ein großes Potenzial", urteilt Gavin Finlayson, Analyst der Commerzbank in Frankfurt. Er stuft den Münchener Edelschneider als einen der weltgrößten Anbieter von Damen-Mode des Luxussegments ein. Nachdem der zweitgrößte deutsche Bekleidungshersteller hinter Hugo Boss in früheren Jahren die angekündigten Umstrukturierungen nur unzureichend umsetzen konnte, setzt der Markt nun Hoffnung auf den ehemaligen Varta-Manager Georg Kellinghusen, der Escada auf Industriestandards trimmen will.

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