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Hugo Chávez: Vom Idol zum "Clown"

Als Hugo Chávez die Präsidentenwahl in Venezuala Ende 1998 haushoch gewann, bezeichnete er Bundeskanzler Gerhard Schröder und den britischen Premierminister Tony Blair noch als Vorbilder.

HB/dpa CARACAS. Danach unternahm der 47-jährige Linkspopulist aber alles, um Kubas Revolutionsführer Fidel Castro nachzueifern. Beiden sahen sich häufig, spielten sogar zusammen Baseball und sangen gemeinsam. In seinem ölreichen Land kopierte Chávez in weiten Zügen die autoritäre Innenpolitik Havannas. Über diese Politik sollte das einstige Idol der Massen schließlich stolpern.

Der Mann mit den Zügen eines Anden-Indios war bis 1992 völlig unbekannt. Das änderte sich am 4. Februar jenen Jahres schlagartig, als der Fallschirmjäger und Oberstleutnant Chávez versuchte, mit wenigen Panzern und einigen hundert Männern Präsident Carlos Andrés Pérez aus dem Regierungspalast Miraflores zu jagen. Für die etwa 80 % der 24 Mill. Venezolaner, die vom Öl-Boom nichts abbekamen, wurde er prompt zum Idol und Symbol des Saubermannes.

Zwei Jahre hinter Gittern

Bevor er wegen des Putsch-Versuches für zwei Jahre hinter Gitter wanderte, sagte der charismatische Chávez im Fernsehen kurz und prophetisch: "Wir haben verloren, einstweilen." Der in zweiter Ehe lebende vierfache Vater wollte als Präsident die Korruption bekämpfen und ein "humanes Wirtschaftssystem" aufbauen.

Doch sein autoritäres Auftreten, Trips nach Peking und Bagdad, Lobeshymnen für Libyens Muammar el-Gaddafi sowie das Schwärmen für kubanische Verhältnisse ließ immer mehr Verbündete auf Distanz gehen. Nicht nur das Establishment der ältesten Demokratie Südamerikas, sondern auch Kirche, Gewerkschaften und Medien sahen in ihm einen Diktator. Die Opposition wollte ihn einmal sogar wegen Demenz absetzen lassen. Für Perus Literatur-Star Mario Vargas Llosa war er "nur ein Clown".

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