Humanitär begründete Rückzüge
Taliban arbeiten an neuem Schlachtplan

Die Taliban haben ihre Gebietsverluste in Afghanistan als Folge kalkulierter, auch humanitär begründeter Rückzüge bezeichnet. Die Streitkräfte formierten sich derzeit neu, und es werde an einem Schlachtplan gearbeitet, sagte der stellvertretende Botschafter der Taliban- Regierung in Pakistan, Sohail Schaheen, am Mittwoch in Islamabad dem Reuters-Fernsehen.

Reuters ISLAMABAD. Dass die Taliban an mehreren Fronten kampflos vor der Nordallianz abgezogen seien, habe taktische und strategische Gründe gehabt. "Was Kabul angeht, so wollten wir die Zivilbevölkerung schonen", sagte Schaheen zum Abzug der Taliban-Truppen in der Nacht von Montag auf Dienstag.

Schaheen nannte keine Einzelheiten des neuen Schlachtplanes gegen die Nordallianz, doch berichtete ein prominenter Gegner der Taliban der Nachrichtenagentur Reuters über Satellitentelefon, die Taliban richteten sich auf die Verteidigung Kandahars im Süden ein. Die Stadt im Kernland der Taliban-Bewegung ist Sitz des geistlichen und politischen Oberhauptes der radikalislamischen Organisation, Mohammad Omar. Hamid Karsai, Chef einer der Paschtunen-Stämme im Süden, sagte, die Taliban hätten einen weiträumigen Verteidigungsring um Kandahar angelegt. Berichte über Kämpfe gebe es nicht.

Der Flughafen Kandahars, etwa 30 Kilometer außerhalb der Stadt, war am Dienstag den Taliban-Gegnern in die Hände gefallen. Die Nordallianz stützte sich bislang vorwiegend auf Minderheiten wie die Tadschiken und Usbeken, und die Taliban auf die Paschtunen. Sie stellen etwa 40 % der über 20 Mill. Afghanen.

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