Hummlers Aussicht
„Ein wenig“ Inflation

Die beispiellosen Liquiditätsspritzen und Rettungspakete vieler Regierungen schüren weltweit Inflationsängste. Ist diese Angst berechtigt? Oder ist vielleicht „ein wenig" Inflation sogar wünschenswert?

Die billionenschweren Stimulierungsmaßnahmen, wie sie durch die Regierungen Obama, Brown und europäische Politiker eingeleitet wurden, gelten vorab der Strukturerhaltung in angeschlagenen Wirtschaftssektoren. Es wird nicht Platz für Neues geschaffen. Was bleibt, sind erdrückende Staatsschulden. Nur schon der Gedanke an die daraus resultierenden zusätzlichen Steuerlasten für Bürger und Unternehmen haben das Potenzial, die nächste Baisse einzuläuten.

Kommt hinzu, dass wir nicht wissen wie weit die Staaten bei der Belastung des Kapitalmarkts für die Refinanzierung gehen können. Man muss auf die Gefahr des "Crowding out", der Verdrängung der privaten Schuldner durch die vermeintlich oder tatsächlich sichereren Staatsschuldner, hinweisen. Durch die Verstaatlichung eines Teils des Finanzsektors müssen nun auch verschiedene große Banken diesen gewichtigen Verdrängern zugerechnet werden. Zu viel Kapital wird in Richtung von wenig oder gar nicht produktiven Faktoren der (westlichen) Volkswirtschaften fließen.

Die faktische Zahlungsunfähigkeit einzelner Staaten ist ein durchaus denkbares Szenario. Man spricht bereits von einer europäischen Zwangsanleihe, falls Italien oder ein anderes bilanz- und ertragsschwaches Land in den Zustand der Insolvenz geraten würde. Zwangsanleihen - das heißt eine gesetzliche Verpflichtung für Investoren, ihr Geld zu einem bestimmten Zweck hingeben zu müssen - gehören eher zum Arsenal kriegführender Nationen und enden meist in einer Enteignung.

Bleibt die Möglichkeit, dass schuldenschwere Regierungen versucht sein könnten, "ihren" Notenbanken ins Handwerk zu pfuschen und sie dazu zu drängen, ein wenig Inflation zuzulassen. Also Einfluss auf den schwierigen Entscheid zu nehmen, wann aus der extrem stimulierenden Geldpolitik zur Normalität zurückzukehren sein wird. Der heutigen Generation fehlt es an einschlägig negativer Inflationserfahrung, und die Machbarkeitsapostel schwafeln selbst in akademischem Rahmen von der Möglichkeit, "ein wenig" Inflation sei durchaus wünschenswert. Die Vox populi ist hierin realistischer: Ein japanischer Freund brachte mir kürzlich eine US-Dollar-Note mit dem aufgedruckten Nominalwert von "One Trillion Dollar - 1 000 000 000 000!". Auf der Rückseite: das Konterfei eines breit lachenden Obama.

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