Hummlers Aussicht
Es ist noch nicht vorbei

Wichtige Indikatoren für den Gesundheitszustand des Finanzsystems haben sich in den vergangenen drei Monaten verbessert. Allen voran ist der sogenannte TED-Spread, die Risikoprämie für Ausleihungen zwischen den großen US-Banken, deutlich gesunken. Ein Element im Umfeld der Aufhellung an den Finanzmärkten will mir jedoch nicht gefallen:

der Anstieg der Langfristzinsen bei den als „risikofrei“ geltenden Treasury-Anleihen. Es gibt drei mögliche Gründe für diesen Zinsanstieg, einen erfreulichen und zwei weniger erfreuliche: Erstens können höhere Langfristzinsen bedeuten, dass die Allgemeinheit von einem baldigen Ende der Rezession ausgeht und somit unter anderem wieder investiert wird. Weil Investitionen immer mittel- oder langfristiger Natur sind, müsste auch die Nachfrage nach mittel- und langfristiger Finanzierung steigen; der Zinsanstieg wäre eine Vorwegnahme dieser erhöhten Nachfrage. Dagegen sprechen allerdings praktisch alle Daten aus der Realwirtschaft. Wo man eine Verbesserung ortet, handelt es sich höchstens um eine Bodenbildung auf tiefem Niveau oder um eine Verlangsamung des Abwärtstrends.

Der Zinsanstieg könnte zweitens auch auf künftig höhere Inflationsraten hinweisen. Keine abwegige Annahme, wenn man die enorme Liquidität berücksichtigt, die in den letzten 18 Monaten durch die Notenbanken ins System gepumpt worden ist. Dagegen sprechen jedoch die in fast allen Wirtschaftsbranchen sichtbar gewordenen Überkapazitäten, deren Abbau durch staatliche Stabilisierungsprogramme bekanntlich stark verzögert wird. So rasch kann man sich eine Verknappung der Ressourcen nicht vorstellen.

Als dritter Grund bleibt ein generelles Unbehagen übrig, ob die Notenbanken fähig und willens sind, später auch tatsächlich die reichlich zur Verfügung gestellte Liquidität wieder einzusammeln. An sich verfügen die Notenbanken über die technischen Instrumente dazu. Viele politisch motivierte Anreize sind aber gegenläufiger Natur. Allzu schön wäre es, die immensen Schuldenberge durch Inflation entwerten zu lassen. Die Gefahr ist groß, dass der noch als „risikofrei“ geltende Schuldner Staat, der einen großen Teil der Lasten aus dem Bankensystem schultert, mittelfristig selber zur Bedrohung des Systems wird.

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