Hummlers Aussicht
Ist das der Fortschritt?

Kurze Familienferien sind angesagt, niederländische Tulpen sollen besichtigt werden. Der sekretariatsgewohnte Bankier verkündet den Seinen stolz, er werde alle notwendigen Buchungen – von der Flugreise über den Mietwagen bis zum Hotel – selber vornehmen. Übers Internet. Gesagt, getan?

Nicht ganz. Denn beim ersten Aufruf der Fluglinien-Homepage wird nach einem Passwort gefragt, über das man natürlich nicht verfügt. Im Sekretariat vielleicht? Aber dort will man ja nicht fragen, sonst wäre der Traum der Selbstständigkeit schon vorbei. Also lässt man sich ein neues geben, das per Mail eintreffen sollte. Zum Eintippen der Kreditkartennummer ruft man die Hausfrau zur Hilfe; damit der Computer die gesicherte Seite akzeptiert, braucht's den Computerwissenschaft studierenden künftigen Schwiegersohn. Nach rund einer Stunde sind die Flugscheine bestellt. Das Reservieren des Mietwagens geht schon etwas leichter; allerdings trifft am nächsten Tag eine Mail ein, dass – we are really sorry – das bestellte Modell nicht verfügbar sei. Das Hotel bucht man sicherheitshalber per Telefon, dafür druckt man sich die Boardingpässe aus und bekommt dafür Plätze in der hintersten und fensterlosen Sitzreihe.

Insgesamt hat die Do-it-yourself-Reiseplanung etwa drei Arbeitsstunden gekostet. Vermutlich liegt die Schuld ganz bei mir. Zu ungeschickt, zu ungeübt.

Dennoch frage ich mich, ob wir das wirklich so gewollt haben. Ich sehne mich nach den hilfreichen Geistern hinter Schaltern zurück. Letzthin versuchte ich, an einem Automaten der Deutschen Bahn eine 1. Klasse-Fahrkarte mit Rabatt für den Inhaber eines schweizerischen Generalabonnements zu erstehen. Nach zehn Minuten pedantischer Eingabe schluckte der Automat meine Euro-Noten nicht. Worauf ich mich vor dem einzigen Schalter einreihte und nach weiteren zehn Minuten den Zug verpasste. Den Fortschritt stelle ich mir anders vor. Dienstleistung, übrigens gerade auch die von mir betriebene Finanz-Dienstleistung, lässt sich nicht unbeschränkt automatisieren, und die Last kann nicht unbeschränkt auf den Konsumenten überwälzt werden.

PS: Soeben habe ich 1,5 Stunden für die Aufdatierung meines GPS-Geräts verwendet. Es hatte mich in einem holländischen Vorort in eine Sackgasse geführt. Seit dem Update funktioniert das Gerät nun gar nicht mehr.

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