Hummlers Aussicht
Privatsektor lässt hoffen

Worauf deuten die gegenwärtigen Kurse und Gewinnverhältnisse hin? Sind die Börsen hoch, allenfalls überbewertet? Gemessen an den Unternehmensergebnissen der vergangenen Monate kann man sagen, dass die sich aus dem gegenwärtigen Kursniveau ergebenden Erwartungen an die Zukunft keineswegs übertrieben sind.
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Ein Aktienkurs ist ein Preis, der durch Übereinstimmung des Willens eines Verkäufers und eines Käufers über eine bestimmte Menge von Aktien zustande kam. Der Verkäufer glaubt, dass ihm die Aktie in Zukunft zu diesem Preis nicht mehr bringen wird, was er erwartet: künftigen Ertrag. Umgekehrt erachtet der Käufer den Preis günstiger als seine künftigen Erwartungen. Wären diese nicht positiv, würde kein Mensch etwas dafür zahlen. Die zusätzliche Information des Gewinns aus der Jahresrechnung der Unternehmung lässt Rückschlüsse auf die Erwartungen an die Zukunft zu. Impliziert ein Kurs ein Megawachstum, oder weist er auf Konstanz hin? Nehmen wir an, der Gewinn eines Jungunternehmens sei sehr gering. Ein dennoch hoher Kurs und damit hohes Kurs- Gewinn-Verhältnis (KGV) impliziert ein gewaltiges Wachstum; wird die Erwartung enttäuscht, ist der Kurssturz programmiert. So geschehen in der Dot-Com-Blase. Umgekehrt kann ein Stromversorger - so träge wie ein Ozeandampfer und bezüglich Erträgen so verlässlich wie eine Schweizer Uhr - problemlos mit einem tiefen KGV und moderaten Wachstumserwartungen leben. Das KGV weist branchenübliche Muster auf. Typische Wachstumssektoren beflügeln die Phantasien an den Aktienmärkten; man ist bereit, bei Hinnahme tiefer Gewinne hohe Preise für Zukunftsmusik zu entrichten. Worauf deuten die gegenwärtigen Kurse und Gewinnverhältnisse hin? Sind die Börsen hoch, allenfalls überbewertet?

Gestützt auf die Unternehmensergebnisse der vergangenen Monate kann man sagen, dass die sich aus dem gegenwärtigen Kursniveau ergebenden Erwartungen an die Zukunft nicht übertriebener Natur sind. Die meisten Unternehmen haben die Krise erstaunlich gemeistert. Trotz widrigster Umstände konnten ansprechende Ergebnisse erzielt werden. Deshalb müsste es möglich sein, bei einer sich aufhellenden Konjunktur analog positiv zu wirtschaften, sprich die Erwartungen zu erfüllen oder zu übertreffen. Die These, dass der Privatsektor die Wirtschaftskrise bei weitem besser zu meistern in der Lage ist als allgemein vermutet, lässt mir derzeit keine Ruhe. Wenn sie zutreffen würde, dann gäbe es Raum für bedeutend mehr Optimismus und damit für eine Fortsetzung der positiven Stimmung an den Finanzmärkten.

gastautor@handelsblatt.com

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