Hummlers Aussicht
Radfahren, ökonomisch

Das E-Bike ist eine wunderbare Erfindung. Lächelnd, wie es in der Werbung heißt, überwindet der Radler auch steile Anstiege. Welche Standorte machen sich diesen Technologieschub umgehend zunutze, welche Regionen zögern noch? Eine Ferienbeobachtung.

Das E-Bike ist eine wunderbare Erfindung. Lächelnd, wie es in der Werbung heißt, überwindet der Radler auch steile Anstiege, und lächelnd kehrt er, wie die eigene Erfahrung gelehrt hat, nach einem Tag weiträumiger Erkundungsfahrten mit immerhin 1 000 Meter Höhendifferenz in den Tiroler Bergen am Abend ins Hotel zurück. Der Akku des E-Bikes weist - trotz des nicht ganz unbeträchtlichen Gewichts des Benutzers - immer noch Leistungsreserven auf.

Für die vielen Tourismusstandorte in den Alpen kommt das E-Bike mehr als gelegen. Während die Region im Winter auf Skifahrer und Snowboarder eine große Anziehungskraft ausübt, kämpft der Sommertourismus bekanntlich mit dem Umstand, dass dem Wandern, auch wenn es über noch so blühende Alpenweiden geht, ganz eindeutig der Spaßfaktor fehlt. Man suchte bisher Zuflucht in Zusatzangeboten wie Riverrafting, Bungeejumping, Downhill-Racing, Canyoning und dergleichen. Aufwendig und zum Teil auch risikoreich. Doch nun kommt die Innovation des E-Bikes. Mit ihm lassen sich auch fernste Jausestationen erschließen; die Risiken einer solchen Radtour halten sich im Rahmen, den Anliegen des Umweltschutzes wird in hohem Maße Rechnung getragen.

Ferienbeobachtung: Welche Standorte machen sich diesen Technologieschub umgehend zunutze, welche Regionen zögern noch? In Tirol haben wir ein perfektes E-Bike-Netzwerk vorgefunden. Verfügbare Fahrräder zuhauf, Austauschmöglichkeiten für leere Akkus an allen Ecken des Einzugsgebiets, hervorragende Routenvorschläge durch die Tourismusorganisation. Im schweizerischen Engadin: Eher unzureichende Auskunft im Verkehrsbüro, weniger Räder in vereinzelten Hotels, keine Akkustationen. Im Gegensatz zu Tirol verfügt das Engadin aber über die drei schönsten Seen der Welt; die Touristen werden trotz fehlender Innovationsanstrengungen kommen.

Erkenntnis: Neue technologische Errungenschaften finden vor allem in Gegenden mit nicht gesättigten Strukturen statt. Dort entwickeln sie eine größere Schubkraft. Was für Tirol und das Engadin zutrifft, dürfte ebenso für die innovativen, wissensdurstigen Schwellenländer und den gesättigten Westen gelten, wenn der nächste Aufschwung dann kommt.

gastautor@handelsblatt.com

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