Hummlers Aussicht
Schrott gewinnt

Was könnte hinter den zum Teil sehr happigen Kursanstiegen stecken, die die Aktienbörsen über die letzten zwei Monate realisierten? Die einfachste Antwort heißt: Irrationalität. Es gibt jedoch ein anderes Elemente, das die verbesserte Stimmung an den Finanzmärkten einigermaßen erklärt.

Weshalb jubelt die Börse, wenn für die Bank of America, hurra!, über einen zusätzlichen Kapitalisierungsbedarf von 34 Milliarden Dollar berichtet wird? Was könnten die Gründe dafür sein, dass sich beispielsweise die Aktie der britischen Barclays Bank seit dem Tiefststand von Ende Februar sage und schreibe versechsfacht hat?

Die einfachste Antwort heißt: Irrationalität – sowohl im Absturz als auch im Wiederanstieg. Ich sehe die Dinge etwas anders. Es gibt ein entscheidendes Element, das sich in der Zwischenzeit ganz wesentlich verändert hat und das die bessere Stimmung an den Finanzmärkten zwar nicht unbedingt rechtfertigt, aber wenigstens einigermaßen erklärt: Die Gefahr einer Großbankeninsolvenz hat sich nach dem Verständnis der Märkte eindeutig verringert. Entsprechend sind die hohen Risikoprämien, die der Markt für die Insolvenzwahrscheinlichkeit einberechnet hatte, nicht mehr in dieser Höhe notwendig. Aus Aktien, die de facto lediglich noch den Charakter von Call-Optionen hatten, werden nun zusehends wieder veritable Aktienanlagen mit symmetrischen Eigenschaften. Der Nullpunkt ist zahlenmäßig und ökonomisch weiter entfernt.

Etwas salopp könnte man sagen: Die letzten zwei (sehr positiv verlaufenen) Börsenmonate galten dem Schrott aus der Finanzkrise. Das Nachsehen hatten die Aktien von seriöseren Unternehmen. Sie waren zuvor aber auch nicht ins Bodenlose gefallen. Falls sich – was selbstverständlich keinesfalls sicher ist – herausstellt, dass der teilweise Wegfall von Risikoprämien für die insolvenzgefährdete Firmen berechtigt ist, wird aber auch der Nicht-Schrott in den Bewertungen nachziehen. Denn es gibt bezüglich der Zukunftsaussichten der Unternehmungen so etwas wie eine selbsterfüllende Prophezeiung - „la hausse amène la hausse“ - genau wie es die Abwärtsspirale eben auch gab.

Weshalb? Weil Risikoprämien alle Marktteilnehmer, wenn auch in unterschiedlichem Masse, treffen. Ihr Wegfall bedeutet auch für alle Marktteilnehmer eine große Erleichterung; die Höherbewertung durch die Märkte erscheint insofern rational.

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