Hummlers Aussicht
Staat im Rücken

Der erzwungene, für viele offenbar überfällige Rücktritt des Vorstandschefs der Deutschen Bahn, Hartmut Mehdorn, wirft aus unbeteiligter Außensicht grundsätzlichere Fragen auf, als lediglich solche zum Umgangsstil mit den Mitarbeitern und seiner angeblichen Dickköpfigkeit.

Wenn die Beobachtung stimmt, dann war Herr Mehdorn sehr darauf aus, Rentabilitätsziele zu erreichen. Aus kapitalistischer Sicht ist dagegen gewiss nichts einzuwenden, und selbstverständlich hätte die Anlegergemeinde auch große Freude an einem neuen Aktienschwergewicht Deutsche Bahn AG im Standardwerteindex Dax. Utilities, d.h. Unternehmen der Versorgung, sind, da sich die Nachfrage nach ihren Leistungen ziemlich konjunkturresistent erweist, in krisengeschüttelten Zeiten ja besonders beliebt.

Indessen stellt sich, ähnlich übrigens wie bei großen Banken, doch die Frage, ob die Eigenkapital-Rendite (return on equity) als Messlatte der Wirtschaftlichkeit die richtige Zielgröße ist. Die Problematik liegt nämlich darin, dass bei systemrelevanten Unternehmen – und dazu gehört eine Bahnbetriebsgesellschaft zweifelsohne – irgendwo im Hintergrund als letztinstanzlicher Kapitalgeber der Staat lauert. Das heißt, der Staat ist ultimativer Garant für das wirtschaftliche Überleben. Der rein betrieblich gerechnete Eigenkapitalrendite wird immer verfälscht, das heißt zu hoch, ausfallen, weil die buchhalterische Equity nicht den ökonomischen Tatsachen, sondern eben lediglich einem ersten Auffangbecken, entspricht. Als Folge davon wird die Bereitschaft, Risiken zu übernehmen, eher zu hoch sein und die Utility-Firma tendenziell eine zu hohe Volatilität aufweisen.

Es ist keine Kunst, als Manager eines Versorgungs-Konzerns den betrieblichen Ertrag auf Hochglanz zu polieren. Bedeutend schwieriger ist es, unter Berücksichtigung von strategischen und operativen Risiken, langfristig, und vor allem staatsunabhängig, Erfolg zu haben. Zuverlässigkeit, Unfallfreiheit, Pünktlichkeit und Freundlichkeit sind beim Betrieb einer Bahn strategische Größen. Man müsste das Erdbeben des Personalwechsels an der Spitze der Deutschen Bahn zum Anlass nehmen, Strategiearbeit zu leisten. Ein Unternehmen des öffentlichen Dienstes hat mehrdimensionale Unternehmensziele, ob man das will oder nicht.

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