Hummlers Aussicht
Viren als Lehrer

In Unternehmen mit schlanker Statur, das heißt ohne Horden von zu Selbstbeschäftigung neigenden Stabsmitarbeitern, sind gegenwärtig die leitenden Organe damit beschäftigt, eigenhändig vorsorgende Maßnahmen für den Fall einer Grippepandemie zu überprüfen und auszulösen.

Mutmaßlich sind die Gefühlslagen sehr unterschiedlich. Sie reichen von „Das ist doch alles Panikmache!“ bis zur Angst vor der eigenen Erkrankung, dem nicht auszuschließenden eigenen Ende.

Man sehnt sich selbstverständlich nach einer – wie auch immer gearteten – Normalität, einer Situation also, welche die geistige Extrapolation des schon Bekannten in die Zukunft hinein erlauben würde. Allein, genau diese Normalität gibt es bei neu entstandenen Grippeviren nicht. Sie können virulenter werden, also sich noch schneller ausbreiten. Oder infolge erlahmender Virulenz als medizinhistorische Episode enden. Sie können aber auch, in darwinschem Sinne millionenfach zur denkbar höchsten Fitness mutiert, enorm gefährlich werden und eine traurige Zahl von Toten hinterlassen. Genauso können sie jedoch auch, zwar virulent, sich nur zu Auslösern leicht verdaulicher Quasierkältungen durchmausern. Alles ist möglich, und deshalb herrscht in hohem Maße Unsicherheit. Wahrscheinlichkeiten sind derzeit den denkbaren Szenarien kaum zuzuordnen. Es bleibt nichts anderes übrig, als sich auf alle denkbaren Entwicklungen einzustellen.

Wer das Geschäft der Vermögensverwaltung betreibt, kennt die Gefühlslage. Sie ist für ihn eigentlich Alltag. Denn jede kleinste Veränderung, in irgendeiner Ecke der Finanzmärkte entstanden, kann immer den Nukleus für eine um sich greifende Seuche in sich bergen. Die meisten Veränderungen sterben zwar als Episode. Sie werden von den Marktteilnehmern nicht einmal wahrgenommen. Genauso verhält es sich mit dem Aufschwung: Kein Mensch weiß, wie und wann er entsteht. Die einzig vernünftige Antwort des seriösen Vermögensverwalters auf diese stete Herausforderung durch die Unsicherheit heißt „Diversifikation“: Das Zulassen von verschiedensten möglichen Szenarien. In Zeiten des Mainstreams ist diversifizierungsfähiges Denken ein besonders knappes Gut. Man müsste von den Viren lernen.

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