Hummlers Aussicht
Von Defekten und Freude

Vermögensverwalter profitieren von zwei menschlichen Defekten: vom kurzen Gedächtnis und der Schwierigkeit im Umgang mit der Prozentrechnung. Wobei „Defekt“ möglicherweise zu despektierlich ist. Vielmehr handelt es sich um Eigenschaften, die sich der Mensch im Laufe der Evolution zugelegt hat, um mit Schicksalsschlägen umgehen zu können.
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Ohne die Fähigkeit, neuen Gegebenheiten wieder mit Mut und Zuversicht zu begegnen, hätte der Mensch längst aufgeben müssen. Der ihn rettende Optimismus basiert allerdings auf dem, was vorher als „Defekt“ bezeichnet worden ist.

Das kann beispielhaft an der rasanten Rally auf den internationalen Aktienmärkten beobachtet werden. Gegenwärtig ist der Optimismus groß, ja, in gewissem Maße herrscht Freude, wenn auch immer wieder unterbrochen von plötzlichen Angstanfällen. Vom Höchststand der Börsen am 9. Oktober 2007, gemessen am amerikanischen Standard and Poors-Index 500 (S&P-500), bis zum Tiefststand am 9. März 2009 resultierte ein Verlust von 887 Punkten oder 57 Prozent. Seither haben die Börsen wieder rund 58 Prozent zugelegt. Wunderbar, nicht? Ja, wenn man vergisst, dass der Gesamtverlust seit 2007 noch immer 32 Prozent beträgt.

Prozente hinunter und Prozente hinauf sind aber nicht dasselbe, da von einer anderen Basis aus gerechnet wird, aber was soll's? Hauptsache, man kann sich wieder freuen. Und wenn sich dann noch viele andere mit freuen, dann wird aus der Kraft des kollektiven Optimismus das Faktum neuer Gleichgewichtsverhältnisse an den Märkten geschaffen.

Es geht nicht darum, der Fortsetzung der Hausse das Wort zu reden. Das wäre unangemessen unvorsichtig. Aber man muss aufpassen, dass man ob allem analytischen Eifer, tatsächliche oder nur vermeintliche Zusammenhänge erkunden zu wollen, nicht die Tatsache verdrängt, dass Märkte nur eine Frage der Perzeption sind. Der Perzeption von Menschen, die gerne vergessen und die gerne ein bisschen falsch rechnen. Mithin werden der Widerstandswille und die Anpassungsfähigkeit des Menschen allgemein unterschätzt. Weil sie „allgemein unterschätzt“ wird, ist ein wenig Optimismus – und wenn es auch nur ein Silberstreifen am Horizont wäre – derzeit durchaus angebracht.

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