Hummlers Aussicht
Weniger Politik

Müssen wir dankbar sein, dass sich der G20-Gipfel der Bekämpfung der Finanz- und Wirtschaftskrise widmet und sich damit als Weltführer etablieren will? Ist eine stärkere Regulierung der Vergütungsmodelle der Finanzinstitute wirklich das wichtigste Problem? Die Diskussion um Boni gründet im vermeintlichen Widerspruch zwischen Share- und Stakeholdern.

Im klassischen Modell werden Shareholder- den Stakeholder-Interessen gegenübergestellt: Hohe Arbeitslöhne bewirken hohe Personalkosten und schwächen damit die Gewinnmarge. Folglich steht das Stakeholder-Interesse der Arbeitnehmer an höheren Löhnen dem Shareholder-Value-Denken gegenüber. Das Modell unterstellt, dass es nur die in der Gewinn- und Verlustrechnung wiedergegebene Momentaufnahme gibt und dass die Zukunft in keiner Weise zählt. Das ist offenkundig falsch. Hohe Arbeitslöhne fallen gewiss auf der Aufwandseite an, aber auch sie können bessere Arbeitsleistung, verstärktes Engagement und damit höhere Erlöse in der Zukunft bedeuten.

Mit der Einführung einer dynamischen Komponente in das Modell ist der Gegensatz zwischen den Interessen der Share- und Stakeholder zumindest teilweise hinfällig. Keine Firma kann in eine aussichtsreiche Zukunft geführt werden, wenn sie nicht ihre Position, ihre Attraktivität nach innen und nach außen und relevante Rahmenbedingungen langfristig sichert. Das langfristige Bestehen eines Unternehmens ist auch von Entscheidungen in der Lohnpolitik abhängig. Es könnte sein, dass sich Aufwendungen in direkte und in indirekte Maßnahmen geradezu gegenseitig bedingen. Regulatorische Bestrebungen müssen daher vielmehr auf die Stärkung der (finanziellen) Verantwortlichkeit unter den Managern zielen.

Alle, die über „Shareholder Value“ mehr oder weniger kompetent, meist aber in erster Linie emotionsgeladen reden, müssten erkennen, was einen ökonomischen Wert überhaupt ausmacht und insbesondere den Zusammenhang zwischen künftigen Erträgen und den Kosten für Geld über die Zeit verstehen. Dann wäre einerseits der Diskussion einiges an unnötiger Schärfe genommen, andererseits ein wesentlicher Schritt zu mehr Nachhaltigkeit getan. Für die Politik hat es im Verhältnis „Shareholder-Stakeholder“ wenig bis gar keinen Platz. Auch wenn die G20 meinen, sie hätten soeben die Welt gerettet.

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