Hummlers Aussicht
Wenn Staaten pleitegehen

Lasst uns wieder einmal über die Konsequenzen einer möglichen Zahlungsunfähigkeit von Staaten wie Italien, Griechenland oder anderen finanziell bedrängten Euro-Mitgliedsländern als „strategisches Problem“ nachdenken.

Bei Lichte besehen wäre eine solche Zahlungsunfähigkeit, wenn richtig gehandhabt, zwar einschneidend, würde aber nicht den Untergang bedeuten. Für das Nachdenken über die „richtige Handhabung“ hatten die zuständigen Gremien in der EU und namentlich in der Europäischen Zentralbank genügend Zeit. Sie wissen genau, dass es falsch wäre, den Maastricht-Vertrag mit einer Rettungsaktion zu verletzen. Denn erstens schließt das Regelwerk den „Bail-out“ explizit aus, und zweitens würde man die noch einigermaßen intakten EU-Mitgliedsländer in den Strudel hineinziehen, das Problem also multiplizieren.

Ebenso falsch wäre es, mit einer EU-Anleihe zu versuchen, das Finanzierungsproblem der schwachen Mitgliedsländer vorrangig zu lösen. Denn dies entspräche einer enormen Subventionierung der finanzschwachen durch die finanzstärkeren Teile der EU (kein Wunder dass die Idee vom italienischen Finanzminister Tremonti kam). Noch schlimmer wäre es, wenn die Zentralbank auch noch Liquidität zur Verfügung stellen würde.

Der einzige Weg, so der Fall einer Insolvenz denn eintreten würde, ist die möglichst saubere Abwicklung der Insolvenz von einem oder mehreren, zugegebenermaßen, großen Schuldnern. Dass das möglich ist, haben, mit allen Vorbehalten, Argentinien im Jahr 2005 und Island 2008 gezeigt.

Die derzeit immer noch erhöhten Risikoprämien für Anleihen finanzschwacher EU-Mitgliedsländer weisen darauf hin, dass der Markt zum einen überhaupt mit der Möglichkeit einer Insolvenz rechnet, über die Risikoprämie gewissermaßen auch Vorsorge dafür leistet, und dass zum andern gegebenenfalls von der ordentlichen Insolvenz ausgegangen wird. Denn sonst würde die Differenz in den Risikoprämien zu, sagen wir, Deutschland, ja gar keinen Sinn ergeben. Aus dieser Sicht ist übrigens nicht die Existenz der Risikoprämien alarmierend. Vielmehr wäre ihre Elimination ein größeres Warnzeichen. Dann wäre es für Anleger Zeit, Anleihen der Bundesrepublik Deutschland zu verkaufen!

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