HUMMLERS AUSSICHT
Zurück in der Vergangenheit

Man wundert sich derzeit darüber, wie hemmungslos ordnungspolitische Sündenfälle auch von Leuten aus der Wirtschaft befürwortet und willfährige Politiker als "wirtschaftsfreundliche Pragmatiker" gelobt werden. Zu sehr hat man sich offenbar schon an den Tropf aus der staatlichen Mutterbrust gewöhnt, als dass sich noch allergische Reaktionen regen würden.

Der "Weg zur Knechtschaft" ist, wie der Ökonom F. A. von Hayek bemerkte, von wohlgemeinten Maßnahmen und kurzfristig beflügelnden Gaben aus dem Staatsschatz gepflastert. So sanft die Fesseln aber auch angelegt und zugezogen werden - am Ende des Weges steht eine in sich erstarrte Staatswirtschaft. Vielleicht sollte man sich aber nicht allzu stark aufregen, denn jene Zeit, als in einem Teil Deutschlands einmal alles dem Staat gehörte, hatte ja auch ihren Reiz.

Denn ein Hauch von teutonischer Exotik umwehte sie jeweils - die Trabis und ihre Insassen, wie sie die Alpenpässe hinauftuckerten, an Ausstellplätzen Halt machten, in der Gegend herumknipsten und dabei, wer weiß, die eine oder andere der vielen Schweizer Panzersperren mitfotografierten, weil man ja ohne Sonderauftrag der "Hauptverwaltung Aufklärung" kaum zu einem Ausreisevisum gekommen wäre. Es beschlich uns Schweizer jeweils eine Mischung aus Mitgefühl und leiser Erleichterung darüber, dass man nicht auf der falschen Seite des Eisernen Vorhangs zu Hause war.

Zumindest was die fahrbaren Untersätze betrifft, wird man sich auf die teutonische Exotik wieder freuen dürfen. Dann nämlich, wenn die Strukturerhaltungspolitik, wie sie nun mit der staatlichen Garantie für die Opelwerke praktiziert werden soll, so richtig zu greifen beginnt.

Veraltete Modelle à la Trabi sind programmiert, und weil sie obsolet sein werden, wird man die Konsumenten mit mehr oder weniger sanften Methoden, wie weiland bei den Trabis, dazu bringen müssen, sie dennoch zu kaufen. Und wir Schweizer werden sie bestaunen dürfen, die wenigen deutschen Mittelständler, die Herrn Steinbrück als Steuerzahler noch verblieben sein werden, wie sie mit Ausreisevisum versehen über die Alpenpässe der Steueroase tuckern und die bösen helvetischen Banken abknipsen.

gastautor@handelsblatt.com

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