Humorvolle Kommentar
Littbarski als Spaßvogel im japanischen Fernsehen

Während sich die deutsche Nationalmannschaft noch in Europa auf die Fußball-Weltmeisterschaft in Japan und Südkorea vorbereitet, ist ein Weltmeister bereits vor Ort.

dpa YOKOHAMA. Pierre Littbarski, der 1990 in Rom die Trophäe in den Händen hielt, stimmt sich bereits seit Beginn der Woche in Yokohama auf seinen Ferien-Job ein - als Kommentator für das japanische Fernsehen.

Für den 42 Jahre alten Trainer des Fußball-Zweitligisten MSV Duisburg eine vergnügliche Abwechselung. "Auch wenn einige Profis das anders sehen, ich empfinde Fußball nicht als harte Arbeit", sagte Littbarski, der schon in seiner Zeit als Profi beim 1. FC Köln (1978 bis 1993) als Spaßvogel galt.

Deshalb ist das Konzept der japanischen Fußball-Sendung mit Littbarski am Mikrofon auch nicht bierernst. "Wir berichten über die Höhepunkte des Tages auf lustige Art und Weise", so Littbarski. Dass er dabei auch das deutsche Nationalteam auf's Korn nehmen wird, schließt er nicht aus. Schließlich will er sich vier bis fünf Partien der DFB-Auswahl anschauen und diese humorvoll kommentieren. Über das Abschneiden der deutschen Elf, die sein früherer Teamkollege Rudi Völler betreut, wollte sich der 73-malige Nationalspieler aber nicht festlegen. "Es ist alles möglich. Das Problem jedoch ist, dass wir nur wenige echte Spitzenfußballer haben", meinte der 42-Jährige.

Und als wäre dieser eine Ferienjob nicht schon genug, schließt Littbarski auch ein kurzfristiges Engagement für deutsche Fernsehsender nicht aus. "Dann würde ich dem Publikum Land und Leute näher bringen." Denn damit kennt er sich aus. Schließlich wechselte Littbarski 1993 als einer der ersten ausländischen Profis in die japanische J-League. Später trainierte er dort den Zweitligisten Yokohama FC und heiratete die Japanerin Hitomi.

"In Japan kommen wegen der vielen Staus die meisten Zuschauer direkt von der Arbeit mit Anzug und Aktentasche ins Stadion. Dort wird dann Wurst am Stiel gegessen. Das ist sauberer als Wurst im Brötchen, weil man nicht so kleckert", weist Littbarski auf eine von vielen japanischen Besonderheiten hin. Das Publikum bezeichnete er als ruhig und gelassen: "Nur wenn die eigene Mannschaft spielt, dann kann es laut werden."

Den deutschen Besuchern rät der MSV-Coach, sich nicht nur die WM- Spiele anzuschauen. "Fußball ist in Japan nicht alles. Man kann viel erfahren, darf sich aber nicht gleich als Studienprofessor deklarieren lassen", erläutert der Mann, der noch vor vier Jahren in Tokio auf überlebensgroßen Plakaten an Hochhäusern für japanischen Joghurt warb.

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