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Hund lernt Worte auf Anhieb

Washington/Leipzig (dpa) - Was Hundebesitzer schon lange ahnen, ist nun wissenschaftlich untermauert: Ein Hund kann menschliche Worte schon beim ersten Anhören lernen und auch längere Zeit behalten.

Washington/Leipzig (dpa) - Was Hundebesitzer schon lange ahnen, ist nun wissenschaftlich untermauert: Ein Hund kann menschliche Worte schon beim ersten Anhören lernen und auch längere Zeit behalten.

Einige Aspekte des Sprachverständnisses hätten sich demnach früher als die menschliche Sprache und unabhängig von ihr entwickelt, berichten Leipziger Forscher nach Versuchen mit einem Border-Collie. «Man muss nicht sprechen können, um viel zu verstehen», erläuterte Julia Fischer vom Leipziger Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie am Donnerstag in Berlin. Die Leistung von Testhund Rico entspreche der Kombinationsfähigkeit eines dreijährigen Kindes.

Das Forscherteam präsentierte in Berlin den neunjährigen Border-Collie, der das stattliche «menschliche» Vokabular von rund 200 Wörtern versteht und in einer Serie von Experimenten seine Lernfähigkeit unter Beweis stellen musste. Die überraschenden Ergebnisse werden im Fachmagazin «Science» (Bd. 304, S. 1682) vom Freitag vorgestellt.

Rico wurden dabei acht Spielzeuge präsentiert, wovon ihm sieben bereits vertraut waren. Mit der Aufforderung «Rico, hol den.. .» sollte der Hund dann das unbekannte Spielzeug apportieren. Das Ergebnis: In sieben von zehn Fällen traf Rico die richtige Wahl, indem er vom unbekannten Wort auf den unbekannten Gegenstand schloss - eine Erfolgsquote, die der eines dreijährigen Kindes entspricht. Bislang ging man davon aus, dass dieser Prozess des «schnellen Zuordnens» beim Sprachenlernen eine nur dem Menschen eigene Fähigkeit sei, berichten die Forscher in «Science». Zudem konnte sich Rico auch noch Wochen nach den Versuchen an die neu gelernten Spielsachen erinnern.

«Diese Fähigkeit weist darauf hin, dass die Hirnstrukturen, die einer solchen Lernweise zu Grunde liegen, nicht auf den Menschen beschränkt sind und möglicherweise die evolutionäre Basis für einige der fortgeschrittenen Sprachfähigkeiten des Menschen gebildet haben», sagte Katrina Kelner von «Science». In einem Kommentar schrieb Paul Bloom von der Yale University (New Haven): «Für Psychologen sind Hunde nun eventuell die neuen Schimpansen.»

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