Hunde in der Todeszelle
US-Anwalt kämpft für bissige Tiere

Monatelang kämpfte der kalifornische Anwalt Michael Rotsten vor Gericht um das Leben seines Mandanten "Slater". Doch er verlor die letzte Runde vor dem Superior Court in Los Angeles.

dpa LOS ANGELES. Nach fast einjähriger "Haft" in einem drei Quadratmeter großen Zwinger wurde der Todeskandidat - ein drei Jahre alter Mastiff - eingeschläfert. "Slater", war einer der schwierigsten von rund 40 Hunde-Prozessen, die Rotsten vor Gericht geführt hat. Neunzig Prozent der Fälle gewinnt er, versichert der 59-Jährige, der zu den bekanntesten Tieranwälten in den USA zählt.

Arbeit gibt es genug. Immer mehr Besitzer bissiger Hunde ziehen vor Gericht. Zunehmend seltener nehmen sie ein Todesurteil tatenlos hin, berichtet Rotsten, der für seinen Dienst pro Stunde 200 $ (441 Mark/225 Euro) verlangt.

Rund 4,7 Mill. US-Bürger, zumeist Kinder, werden in jedem Jahr von Vierbeinern gebissen. Etwa 10 bis 20 Opfer sterben an den Folgen der Attacke. Hunde, die einen Menschen angefallen haben, werden von städtischen Tier-Kontrolleuren begutachtet und häufig für "bösartig" erklärt. In einem Tierheim werden sie in gut gesicherte "Todeszellen" verbannt. Viele werden eingeschläfert, es sei denn, die Besitzer legen vor Gericht Einspruch ein.

Bei leichteren Verletzungen einigen sich die Parteien mitunter auf Kompromisse, wie Maulkorb anlegen oder den Hund in einem Zwinger sichern. Häufig kommt es jedoch zu langwierigen Prozessen, die durch mehrere Instanzen gehen und Tausende von Dollar verschlingen.

"Slater" verlor den Kampf vor Gericht vermutlich wegen einer "Vorstrafe", glaubt Rotsten. Der Mastiff kam vor einem Jahr in die "Todeszelle", nachdem er im kalifornischen San Juan Capistrano einen zehnjährigen Jungen angefallen und erheblich verletzt hatte. Zuvor hatte er bereits ein zwölf Jahre altes Mädchen gebissen. Beide Kinder mussten im Krankenhaus behandelt werden.

Die Besitzer des "Wiederholungstäters" scheuten keine Kosten. "Slater gehört zur Familie. Er ist wie ein Sohn", sagt Herrchen Dave Leto. Für 10 000 $ heuerte er Rotsten an. Weitere 14 000 $ kostete die Zeit im Hundezwinger. "Manch einer hält das für Geldverschwendung", glaubt Rotsten, doch schließlich gehe es um ein Lebewesen, das dem Besitzer sehr viel wert ist.

Nur wenn ein Hund partout nicht zu bändigen sei, befürworte er den Tod des Tieres, sagt der Anwalt. Einen Fall, wie die Beiß-Attacke der Hündin "Hera", würde der Jurist ablehnen. Das Tier hatte zusammen mit einem anderen Kampfhund in San Francisco eine 33-jährige Frau angefallen und brutal zerfleischt. Die Hundebesitzer sitzen nach dem Angriff der Tiere im Gefängnis. Seit fast einem Jahr kämpft das Ehepaar hinter Gittern um das Leben der Hündin.

"Leute, die mich anheuern, glauben an ihren Hund", sagt Rotsten. Er beklagt das massenhafte Töten in amerikanischen Tierheimen. Nach Angaben des Tierschutzbundes werden etwa 8-10 Mill. Hunde und Katzen jährlich eingeschläfert, weil die Heime überfüllt sind. "Das Töten geht zu leicht von der Hand, egal ob der Hund bissig oder harmlos ist", sagt Rotsten. Für den bisswütigen Mastiff "Slater" hatte der Anwalt bereits einen Arbeitsplatz als Wachhund besorgt, in der Hoffnung, dass er den Prozess Anfang Dezember gewinnen würde.

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